Wie sich Mädchen und Buben moralisch sozialisieren

 

Das Weibliche kommuniziert per Demonstration – ohne Explikation. Damit der andere sich von sich aus bemüßigt fühlt, ihm dienstbar zu sein.

Von sich aus, als Effekt der vom Rezipienten selbst in ihrem etwaigen Aufforderungscharakter zu deutenden Darstellung, entspricht der Absicht, Ablehnung und Konflikt zu vermeiden. Bei offen als von ihr stammender Forderung könnte der andere dagegen argumentieren und den Egoismus aufdecken als bestimmende Grundlage dafür. Es käme zur Ablehnung als einer Niederlage noch die moralische Disqualifizierung dazu.

Will ein Mädchen nach der Kindheit noch moralisch und vernunftgemäß anständig bleiben, muß es feststellen, seine Impulse sind im Normalfall blank egoistischer und egozentrischer Natur und jenseits von Kriterien von Vernunft, Recht und Gerechtigkeit angesiedelt.

Die ihrer Mutter waren genauso, erkennt sie anschließend. Frauen sind so, das Weibliche ist so.

Entweder sie nimmt das als ihr Schicksal an und achtet darauf oder sie läßt sich gehen, wie es orts- und zeitüblich ist.

Daß sie damit die moralische Selbstkontrolle und Selbstverantwortung abschiebt auf die physische und metaphorische Frauengruppe, auf die Beispiele und Normen, die sich darin äußern, kann man ebenso umgekehrt formulieren: Sie entzieht der Frauengruppe nicht die Autorität und Verantwortung für sich als deren Mitglied.

Instinktiv ist das die gute Ordnung, aber rational versteht man es nur, wenn die Kultur es erlaubt, zu derartigen aus ökonomischen Gründen der Psychologistik stets unterschwelligen Wissenselementen in offenen Austausch zu treten.

Die Selbstsozialisation des Buben verläuft anders, sein bewegendes und antreibendes Offenes ist die Gerechtigkeit, woraus ihm die Ungerechtigkeit in seinem eigenen Denken, Fühlen und Wollen spätestens im Bewußtsein der aus ihr gesetzten Handlung mit Scham auffällt und er sich Besserung schwört.

Er braucht die Willensstärke, bei der moralischen Beurteilung zu bleiben und sich zu ihrer Befolgung zu disziplinieren, aber er hat nicht den intrinsischen Konflikt mit der allgegenwärtigen und aufdringlichen Vehemenz der Launen und Wogen und Wallungen, die jede Beherrschung als unzulässige Einschränkung umdeuten, bevor der Verstand einschreitet.

Das Mädchen steht unter einem doppelten Ansturm. Von innen der instinktive egozentrische Egoismus, dem es um nichts weiter als das je augenblickliche Wohlfühlen geht und von außen eine unausgewiesene Normativität, sich diese Emotionalität als Mittel zur Manipulation zunutze zu machen und die Frage der Ethik den Männern und der Allgemeinheit zu überlassen. Wenn’s ihnen falsch vorkommt, werden sie sich schon rühren!

Wer braucht mehr Unterstützung von den Eltern und Erwachsenen?

Der Bub braucht nur die gelegentliche anerkennende Ermutigung, seinem Gerechtigkeitssinn zu folgen, auch wenn es hart für ihn ist und ihn in Gewissensnöte stürzt.

Das Mädchen muß mit einer Gefühlssphäre zurechtkommen, die von der Macht der Hormone beherrscht wird und einer viel kleinmaschigeren und frühzeitigeren Selbstführung bedarf, um nicht die so oft diagnostizierte Achterbahn der Stimmungen und Gefühle das Innenleben und die mitmenschlichen intimeren Beziehungen bestimmen zu lassen.

Das lernt man nicht so leicht, vor allem, weil man vor der Pubertät derartige, fast autonome, Stürme und Brandungen nicht erlebt hat und wie die Kuh vorm neuen Tor davor steht.

Vom Buben erwartet die ganze Umwelt, er wird lernen, sich zu beherrschen und Recht und Gerechtigkeit zu seinem Gewissen machen.

Mit dem Mädchen hat man Nachsicht, Güte und Milde und ein verschwörerisches Lächeln der Tante ist ihr sicher, wenn sie sich wieder einmal der Mutter gegenüber als eigensinniges Persönchen geriert, das sich nichts gefallen läßt.

Ist die Frauenwelt bei der Männerwelt vom Privaten bis zum Politischen erst einmal mit den Kaprizen und Kapriolen durchgekommen, kennt sie von sich aus kein Bremsen und schon gar kein Halten mehr. Dann läßt sich jede in die Abhängigkeit des Mitglieds gehen und keine übernimmt mehr die Verantwortung zum Organisieren der kollektiven Selbstkontrolle.

Solang‘ ich damit durchkomme und so weit ich damit komme, ist mir kein ernsthafter Vorwurf zu machen!

Mit oder ohne den Verweis auf den Umstand, daß sie nur eine schwache Frau ist.

Wichtig zu beachten und logisch zu erfassen ist der Anspruch auf Kontrolle von außen, wie er sich in der Klage über historisches und aktuelles nicht Dürfen, nicht die Erlaubnis dazu Haben, behindert zu werden, zurückgehalten oder ausgeschlossen zu werden, äußert – also die leidenschaftliche und unnachgiebige Selbstdefinition als Opfer der kontrollierenden Umwelt, damit der Männer und der Staatsmacht als letzte Instanz. Bei Bedarf auch  der tyrannischen oder gestörten Kinder.

Daß Feminismus diejenige Definition des Weiblichen erkämpft und mit Zähnen und Klauen zu perpetuieren sucht, die in fundamentalistisch apodiktischer Manier ein Höchstmaß an Abhängigkeit, Ausgeliefertheit und Ohnmacht der erwachsenen Frau in der Familie, der Gesellschaft und der Kultur postuliert, sollte nicht nur den Nichtfeministen zu denken geben.

Vorausgesetzt, das psychologische Verstehen der letzten zwei bis drei Generationen des immer gewissenloseren Kriegs der Frauen zur Durchsetzung der weiblichen Bedürnisethik gegen die moralische der Männer und Kinder ist von Interesse.

Vorausgesetzt, das psychologische Verständnis wird zur Korrektur der Kategorie von Mißverständnissen und Mißständen benutzt, die eine panisch bis grotesk rationalisierte Demise der abendländischen Ethik und eine allgemeine Demoralisierung gezeitigt haben, die nur noch die unverbesserlichen selbstreferenziellen Eliten vor dem Spiegel rezitieren, ohne dabei rot zu werden.

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