Wie man seinen Mann vertreibt

 

Angesichts dessen, daß zirka die Hälfte der Ehen und noch mehr der Lebensgemeinschaften ohne Trauschein in Scheidung oder Trennung enden, wird es niemand überraschen, daß der erste gute Tipp, seinen Mann zu vertreiben, ganz einfach lautet:

Seien Sie Sie selbst!

Wenn Sie jetzt verblüfft, konsterniert oder gar beleidigt sind, hilft vielleicht die Formulierung:

Seien Sie eine ganz normale Frau!

Damit haben Sie schon die Hälfte des Ziels erreicht. Logischerweise. Die Statistik belegt es.

Na halt mal, Sie wollen doch nicht behaupten, daß es immer an der Frau liegt, wenn es zur Scheidung kommt?

So leid’s einem tun mag, genau darauf läuft die Realität hinaus!

Lesen Sie halt nicht weiter, wenn Sie Schmeichelhaftes über das weibliche Geschlecht und Unschmeichelhaftes über das männliche hören wollen! Falls man das Gesagte so einordnen wollte.

Außerdem ist das nur ein Ratschlag für die geduldigen Frauen, es kann nämlich unter Umständen 15 oder 20 Jahre dauern, bis er sich aus der frustrierenden Ehe verabschiedet, sollten Sie Kinder haben.

Und selbst dann ist die Chance groß, daß er sich bloß erwischen läßt. Bei einem Onenightstand oder sowas mit einer, die jünger ist und Mitleid mit ihm hat. Und er es dann dem Lauf der Dinge überläßt, ob Sie ihn rauswerfen oder behalten.

Oder zuerst in Therapie schicken, damit ihm ein Therapeut die Leviten liest, bis er glaubwürdig Reue zeigt und sich wie ein rücksichtsloses egoistisches Schwein vorkommt.

Sollten Sie damals einen mit mehr Kern und Rückgrat als allgemein üblich genommen haben, dann müssen Sie zumindest mitgehen und das Ganze unter dem Vorwand „Paartherapie“ laufen lassen.

Nichts läßt Sie edler, großmütiger und progressiver dastehen, als wenn Sie nach der leider letztlich fruchtlosen Therapie erzählen können, daß Sie wirklich alles unternommen haben, ihre Ehe zu retten.

Daß Sie sich nicht zu gut waren, sich in eine Paartherapie zu setzen, sondern so vernünftig und opferbereit, „es gehören immer zwei dazu“ nicht nur zu zitieren, sondern tatsächlich zu praktizieren.

„Die Therapeutin hat gesagt, wir haben uns schon zu weit auseinanderentwickelt. Ich hab‘ das eigentlich schon die längste Zeit gespürt, aber man greift halt nach jedem Strohhalm!“

Jetzt zum zweiten Tipp! Der wird Sie ebenso überraschen, weil er so einfach zu befolgen ist:

Hören Sie auf Ihre Freundinnen!

Wenn die den ihrigen nicht schon losgeworden sind, dann können sie es jedenfalls kaum erwarten, daß es Ihnen gelingt. Und wenn doch, dann ist es eine Frage der Frauensolidarität.

Eine für alle! Alle für eine!

Für die Ungeduldigen unter den Leserinnen, wie man ohne schlechtes Gewissen die Sache beschleunigen kann. Nichts Neues, aber zur Sicherheit doch angeführt:

Reduzieren Sie den Sex auf alle heiligen Zeiten!

Ja, ich weiß, das machen doch sowieso alle, weshalb es unter ganz normale Frau Sein fällt, aber, wie gesagt, sicher ist sicher.

Denken Sie daran, solange Sie sooft mit ihm schlafen, wie er das möchte, glaubt er, es ist von Ihrer Seite aus alles in Ordnung mit der Beziehung, Sie wären zufrieden mit ihm.

Was für ihn wiederum heißt, er ist neben Ihnen am richtigen Platz.

Also: Sex gibt’s nur, wenn er erstens brav war und zweitens Ihnen danach ist!

„Soll ich mich vielleicht dazu zwingen? Oder tun, als wäre es meine eheliche Pflicht? So wie den Kindern was zu essen Machen und sie ins Bett Bringen zu den Mutterpflichten gehört?“

Vorsicht! Den letzten Satz würde ich nicht riskieren.

Falls er nämlich halbwegs bei Verstand ist, sagt er „Ja, genau!“ und reitet darauf herum, daß Sie auch nicht auf die Idee kommen, den Kindern zu erklären, sie müssen bis auf weiteres hungrig ins Bett und Geschichte kriegen sie auch keine mehr vorgelesen, weil Ihnen in letzter Zeit ganz einfach nicht nach Einkaufen, Kochen und Vorlesen ist.

Und dann macht er vielleicht weiter damit, daß er sagt, er geht auch nicht nur an den Tagen zur Arbeit, wo er Lust dazu hat, und er holt die Kinder vom Kindergarten ab, auch wenn er lieber ins Kino ginge, und solche perfiden Vergleiche mehr.

Sie kontern natürlich, „Das ist doch total was anderes!“, aber wenn er Sie dann ans Stillen und Herumtragen des weinenden kranken Babys erinnert, wird es schwer mit der Logik der unechten Intimität und des zugemuteten Vorspielens von Gefühlen. Immer vorausgesetzt, er denkt mit.

Was gottseidank selten einer wagt, wenn sich seine Frau entsprechend empört gibt!

Zeigen Sie sich regelmäßig gestreßt, überfordert und am Ende Ihrer Kräfte!

Noch besser wirkt depressiv! Gereizt und streitsüchtig abwechselnd mit komplett fertig und nur noch Ihre Ruhe Wollen!

Klagen, jammern, kebbeln und keifen Sie, wann immer er nicht spurt!

Kritisieren Sie ihn regelmäßig, erklären Sie ihm, was und wie er alles Mögliche machen sollte und vergessen Sie nicht, ihn daran zu erinnern, daß Sie es ihm schon 1000 Mal gesagt haben und ihn zu fragen, wann er gedenkt, sich endlich einmal zusammenzureißen, sodaß nicht immer alles an Ihnen hängenbleibt!

Auf jeden Fall: Seien Sie auf ihn beleidigt, wenn irgendetwas im Lauf des Tages nicht nach Ihrem Kopf geht!

Es ist unerheblich, ob in der Arbeit, im Straßenverkehr oder beim Telefonieren mit Ihrer Mutter – lassen Sie Ihren Ärger an ihm aus, Sie wollen doch schließlich keine Magengeschwüre kriegen!

Behalten Sie die Kontrolle darüber, was er mit den Kindern macht!

Schließlich sind Sie die Mutter und wissen besser, was gut ist für die Kinder! Außerdem rackern Sie sich ab mit dem alltäglichen Streß und er spielt den Freizeitpapa und macht sich sowieso nur krampfhaft wichtig.

Gewöhnen Sie die Kinder von Anfang an daran, daß sie es zuerst Ihnen sagen müssen, wenn sie irgendwas vom Papa wollen! Und lassen Sie sich detailliert berichten, was und wie es war, wenn Sie nicht dabei sind!

Weil Sie sich sonst Sorgen machen – und das ist ein Zeichen vorbildlicher mütterlicher Verantwortung.

Wenn Ihnen jetzt auffällt, daß Sie diese Tipps sowieso schon spontan und intuitiv alle befolgen und er hält sich immer noch in der selben Wohnung wie Sie und die Kinder auf, ist es Zeit sich für eine aktivere Form von Psychoterror zu entscheiden.

Zornausbrüche und Wutanfälle

Nein, nicht die üblichen, gelegentlichen, zu der Sie als Ehefrau von vornherein berechtigt sind!

Kriegen Sie Zornausbrüche und Wutanfälle, die sich über die Wochen und Monate soweit steigern, daß Sie ihm zuerst am emotionalen Höehepunkt bloß den Kaffee oder das Bier ins Gesicht schütten, aber früher oder später damit beginnen, auf ihn einzuschlagen und -treten, wobei Sie sich die erste Zeit noch am nächsten Tag entschuldigen und am Ende der Entwicklung dann sagen, es geschieht ihm Recht, es ist seine Schuld und er verdient nichts Besseres und wenn es ihm nicht paßt, soll er sich verzischen, sie halten seinen Anblick einfach nicht mehr aus und fühlen sich, als müßten Sie ersticken in seiner Nähe!

Es hilft, wenn Sie sich dafür betrinken, am besten in Kombination mit ein, zwei Joints, dann ist es garantiert kein Problem, sich aus Vorwurfstiraden in Schreien und Handgreiflichkeiten zu steigern.

Das mit dem Übergang vom nachträglichen Entschuldigen zum Recht-geschieht-dir geht übrigens auch ganz von allein, schließlich kommt man sich andernfalls mit der Zeit ja lächerlich vor.

Die Kinder solidarisch einbeziehen

Haben Sie einen, der sich sogar das gefallen läßt, ist Hardcore angesagt:

Beziehen Sie in die inzwischen routinemäßigen Demütigungen, denen Sie ihn tapfer und konsequent aussetzen, die Kinder aktiv mit ein!

Schritt für Schritt die Dosis steigern!

Erst nur so laut schreien, daß die Kinder aufwachen, dann die Tür aufmachen, daß die Kinder mitkriegen, was ihr Vater für ein Schwein ist, und dann auch während des Tages keine falsche Zurückhaltung – warum sollten Sie den Kindern nicht erklären, sie brauchen nicht machen, was der Papa sagt, wenn sie nicht wollen, sondern sollen zu Ihnen kommen, wenn er schon wieder so ungut ist?

Wenn Sie einen Sinn fürs Verspielte haben – warum nicht lustige Aktionen wie vor seiner Nase mit dem Kind Hin-und-herhüpfen und „der Papa ist ein Trottel, der Papa ist ein Trottel“ intonieren? Schließlich wollen Sie Ihr Kind doch zu einem gesunden Selbstbewußtsein erziehen und dazu gehört nun mal eine gehörige Portion Respektlosigkeit!

Schon, Derartiges ist nicht jederfraus Stil, das dramatische Improvisieren liegt Ihnen vielleicht nicht so, aber um den Gehalt geht es, nicht wahr, um die Aussage, das Statement!

Ihn an den Katzentisch verbannen

Da brauchen Sie keine bissigen Bemerkungen und angewidertes Aufstöhnen, sie nehmen ihre Mahlzeiten am besten am Küchenbuffet mit dem Kind oder den zwei Kindern ein, zu viert geht es sich eben nicht aus!

Und bei Einladungen und Verwandtenbesuchen, warum sollte denn der Eßtisch nicht einfach zu klein sein, und er am Beistilltisch essen?

Nur mehr für die Kinder kochen

Sie haben genug zu tun, und wie kommen Sie eigentlich dazu, er ist alt genug, wenn er was zu essen will, soll er sich was kochen, Ihnen nimmt es auch keiner ab!

Seine Wäsche waschen Sie hoffentlich sowieso schon ewig nicht mehr!

Ihrer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, gehen Sie nach ihrem Gefühl, und bitte, sich nur keine falsche Scham auferlegen!

Er muß ganz einfach kapieren, daß ihn hier keiner braucht und er allen nur mehr auf den Wecker geht!

 

Weiterempfehlen, wenn's empfehlenswert erscheint!