Wie die Ideologie die Liebe stört

 

 

Die Ideologie verführt dazu, Normen und Ideale hochzuhalten, die gegen die instinktiv wirksamen anthropologischen Konstanten gerichtet sind.

Der fromme Ideologiegläubige setzt sie idealistisch und naiv zum autoritativen Koordinatensystem seines bewußten besten Wissens und Gewissen.

Sein unbewußtes Denken, Bewerten und Beurteilen ist gottseidank nicht so frivol, sondern denkt, bewertet und beurteilt psycho-ökologisch und sozio-ökologisch verantwortungsvoll und – das aktuelle Modewort wäre – nachhaltig, das heißt mit dem Blick in die Zukunft.

In die persönliche Zukunft in diesem Leben bis zum Ende, aber zugleich und in sogar übergeordneter Verantwortung im weiteren Überblick der Generationen seiner familiären Herkunftslinien und noch eine Stufe übergeordnet im Blick auf die sippen-kollektiven größeren sozialen, politischen und kulturellen Lebenseinheiten der Spezies Homo Sapiens.

Dessen Evolution, das heißt, dessen ihn konstituierenden Drang nach fortlaufender Verbesserung der Lebenswelt und des Selbst als deren Verbesserer, ist das übergeordnete idealistische Prinzip, dem wir uns verpflichtet verstehen.

Unbewußt, körperlich, radikal, automatisch und spontan daran orientiert und dafür engagiert leben wir unser Leben.

Bewußt sind wir stets dabei, unsere philosophisch-ethischen und unsere philosophisch-ästhetischen Kriterien für ein heute tatsächlich besseres Wissen und Gewissen als gestern mithilfe kontemplativer Einsicht und intelligentem Denken weiterzuentwickeln.

 

Das Primat der Evolution

Unbewußt müssen wir im Konfliktfall die anthropologischen Ideale der Kreativität und Verantwortung für unsere Lebenswelt und unser Leben als Homo Sapiens gegenüber diesen widrigen ideologischen Dogmen oder Slogans der ideologischen Propaganda durchsetzen und absichern.

Die Liebe in den primär biologisch-sozial das Leben und sein Fortbestehen ermöglichenden Beziehungen ist eine spontane Dimension aus der faktischen und notwendigen und existenziellen Angewiesenheit aufeinander und aus dem gemeinsamen Zweck des Weitertragen des Lebens, ohne jede Romantik, nämlich die Verantwortlichkeit für die je bestmöglichen Weitergabe der Gene des Genpools der Sippe.

Die biologisch-soziale Selbstbehauptung der Sippe rangiert als Zweck vor der der Kernfamilie, und diese vor der des Individuum, top-down; der Dienst des Individuums gilt primär der Selbstbehauptung der Kernfamilie, deren gilt primär der der Sippe, bottom-up.

Bestmöglich beim Homo Sapiens ist kraft seines Charismas und Karmas als Lebensweltverbesserers die fortlaufende Verbesserung der Kultur wie daran auch die seiner Intelligenz und Kreativität.

 

Der unwürdige Sünder

Die Erfahrung des Frommen ist daher eine stete Versuchung zur Sünde wider die Autorität der ideologischen Überzeugungen.

Ihre Heftigkeit steigert sich gelegentlich zur Übermacht, der regelmäßige Besuch im Beichtstuhl tut not, die Beziehung wird zur moralischen Justizanstalt.

Bei jeder Beichte spielt ein Sünder den Beichtvater, der die Absolution aussprechen sollte, aber als Sünder Gottes Barmherzigkeit für den reuigen Sünder in den Wind schlägt und als Gegengeschäft die Absolution vom im nächsten Augenblick in die Position des Beichtvaters, der das ideologie-ethische Recht und Gesetz vertritt, gehievten oder sich emanzipierenden – halb reckt‘ sie sich, halb hob er sie – gerade noch den Sünder, reuig oder doch verstockt, gebenden anderen, verlangt.

Frauen sind besonders betroffen, weil sie besonders normabhängig und anerkennungssüchtig sind.

 

Die Minne in unseren Tagen

Männer alternieren zwischen der Repräsentation der instinktiven Autorität und Souveränität und dem bewußten Ethos der Minne.

In anderen Worten, der präsumptiven moralischen Idealisierung der Frau, der kategorischen Unschuldsvermutung, die regelmäßig in einen Unschuldsvermutungswahn kippt.

In dem man der Frau lieber die Mündigkeit abbspricht, als sie für das Böse ihrer Taten zur Rechenschaft zu ziehen.

In dem Frauen sich lieber die Mündigkeit absprechen lassen, als geradezustehen für ihre bösen Taten.

Der Mann muß zuerst das Weibliche in sich durch das Männliche in sich orientieren, ausrichten und führen, um dem ganz Weiblichen gegenüber, der Frau, zu wissen, worum es geht und wie es geht!

Darum hängt die Kultur der Liebe und damit die Evolution der Art Homo Sapiens an der progressiven Selbstbefreiung des Männlichen von den ideologischen Ketten, nach denen das Weibliche regressiv inbrünstig ruft.

Und worum geht es?

Um die komplementäre Kooperation des Weiblichen mit dem Männlichen. Um die Autorität des Männlichen und die Loyalität des Weiblichen. Um die Autorität des Geistigen über das Körperliche, der Vernunft über die Unvernunft, der Pflicht über die Willkür, der Einsicht über den Glauben.

Und wie geht es?

Der Mann muß sich im Männlichen souverän gegen die Anfechtungen des Weiblichen außen und innen behaupten. Und im Weiblichen der Autorität des Männlichen loyal sein.

 

Grundlegende Liebesstörungen aus der Ideologie

Wobei vorauszuschicken ist, daß es keinen Unterschied macht, ob die Ideologie eine öffentlich gepredigte oder institutionalisierte ist oder eine milieuspezifische oder eine private aus der Idiosynkratie und der Folie-à-deux.

Es gibt präventive und provokative Liebesbeziehungsstörungen, beide können in realistischer oder paranoider Weise durchgespielt werden.

In der paranoiden Provokative ist der Mann eine falsche Autorität für die Frau. Er ist verdeckt in der Loyalitätsposition.

In der paranoiden Präventive ist die Frau eine falsche Anhängerin des Mannes. Sie usurpiert die Autoritätsposition.

Wenn der Mann die Präventive agiert, ist das schon von vornherein paranoid, weil er an seine fiktive Unterlegenheit gegenüber der Frau glaubt.

Wenn die Frau in der Provokative agiert, ist das ebenfalls von vornherein paranoid, weil sie zu Unrecht den Katastrophenfall annimmt, die Präventive und Defensive genügte nicht gegenüber dem Mann.

Die Frau stört die Beziehung, wenn sie sich resonanzresistent oder resonanzselektiv auf den Mann bezieht, statt wie von Natur aus resonanzlustig.

Der Mann stört die Beziehung, wenn er keine Resonanz oder Resonanzlust von der Frau verlangt.

Romantischer ausgedrückt, wenn er keine Hingabe und keine Hingabefreude von der Frau verlangt.

 

Der Sünder und der Tugendengel

Die unterhaltsamste und beliebteste ideologische Liebesstörung ironisiert den Mann zum reuigen oder verstockten Sünder und die Frau zum gütigen Tugendengel mit der Option der rachsüchtigen Furie und der endgültig und für alle Zeiten zutieftst Enttäuschten.

 

 

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