Vom Liebespaar zum Elternpaar und in die Krise?

Zu zweit ist das Leben schöner. Keiner will allein bleiben. Jeder will jemanden finden. Es drängt uns danach, ganz von allein. Keiner will verlassen werden. Keiner will wieder allein sein. Es gibt kaum etwas Schlimmeres. Wir tun alles, um das zu vermeiden.

Die Sehnsucht nach Zweisamkeit

Die Anziehung zwischen den Geschlechtern ist eine Konstante, die wir als selbstverständlich empfinden. Die Sehnsucht nach Zweisamkeit ist natürlich, das Normalste von der Welt. Keiner stellt sich die Frage, wozu eigentlich? Außer mitten in der Enttäuschung, in der Verbitterung, dann schon. Aber nur dann.

Wir fragen uns auch nicht, wozu hat der Mensch Hunger und Durst? Wozu wollen wir schlafen? Uns bewegen, etwas tun? Wozu wollen wir etwas erleben, möglichst etwas Schönes, etwas Interessantes, etwas Neues? Die Antworten scheinen genauso selbstverständlich wie die Bedürfnisse. Der Körper braucht es eben, der Geist auch. Mangelt es uns an der Gelegenheit, sie zu befriedigen, fühlen wir uns entsprechend schlecht und unzufrieden.

Mit dem Sichverlieben und dem Verliebtsein ist es genauso einfach. Es rechtfertigt sich aus sich selbst heraus. Weil es ein so tolles Gefühl ist, ein Lebensgefühl eigentlich, ein Zustand mit einer Magie, die an Seligkeit grenzt. Glückseligkeit. Auch wenn es vielleicht nur die erotische Anziehung ist und die sexuelle Lust. Es ist so aufregend und spannend und süß und leidenschaftlich, keiner fühlt sich dazu veranlaßt, sich Gedanken über den Sinn und Zweck des Ganzen zu machen.

Das fängt schon mit 14 an oder früher. Und wie es heute ist, verbringen wir die nächsten 15 Jahre mit dieser Sehnsucht, mit diesem Begehren, mit diesem Bedürfnis und diesem kategorischen Anspruch, jemand zu finden, jemand zu haben. Auf diese ganz besondere Art, in der man sonst niemand hat. Ganz. Nicht teilweise. Für sich. Für sich allein. Für immer. Eigentlich. Und wir scheinen uns alle miteinander darüber einig, darum geht es.

Das nennen wir dann Beziehung oder Partnerschaft, weil wir Liebesbeziehung zu kitschig finden. Aber von Liebe reden wir sehr wohl, hochdeutsch zumindest. Und diese – so genannte – Liebe soll der Grund fürs Zusammenziehen und Zusammensein und Zusammenbleiben sein. Und sie soll uns vor dem Auseinandergehen und dem wieder Alleinsein bewahren. Und vor allem Unglück noch dazu. Zumindest soll sie uns das nicht vermeidbare Unglück erleichtern und ertragen und überstehen helfen. Sie soll unser Halt und unser Trost sein.

Genauer besehen und genauer benannt, der andere. Den wir selten den Geliebten nennen, weil wir diesen Begriff zunehmend für den Dritten reservieren, den erträumten Retter aus der Enttäuschung mit dem Zweiten, auf der anderen Seite den gefürchteten Zerstörer der ursprünglichen Liebesbeziehung, die in den Augen des Zweiten vielleicht nur mehr Beziehung aber nicht mehr unbedingt Liebe ist.

Der andere, der Zweite, er ist es, den wir als Halt und Trost erleben. Und wenn nicht, mit Recht verlangen, daß er uns Halt und Trost gibt. Das ist er uns schuldig, es ist seine Pflicht. Dafür haben wir ihn schließlich. Dafür haben wir doch eine Beziehung, dafür sind wir doch ein Paar. Die Freuden und das Schöne miteinander ist nur die eine Seite des Deals, die andere ist der Schutz vor den Leiden und dem Häßlichen. Geteiltes Leid ist halbes Leid, zu zweit schultert man die Bürden des Lebens leichter, miteinander bewältigt man, was einen allein zu überwältigen droht.

Die Partnerschaft der Selbstarchitekten

Sich zu zweit etwas aufbauen, sagt man, daß man vorhat. Oder nicht mehr? Ist es inzwischen nicht eher so, wie Esther Perel es beschreibt, man hat sich etwas aufgebaut, man hat sich selbst aufgebaut, sein eigenes Leben, seine eigene Persönlichkeit entwickelt, sein Selbst gefestigt und kommt dann mit dem ganzen Aufbau, dem Bauwerk der Identität, die man sich allein und gegen alle Widerstände der Welt erarbeitet hat, daher?

Es kreuzen sich die Wege von zwei Selbstarchitekten. Zwei Baumeister begegnen sich, die ihr halbes bisheriges Leben damit verbracht haben, ihr Selbstgebäude zu errichten und dabei zwei, drei oder mehr Partner verbrauchten, bis sie dann mit durchschnittlich 30 und er mit 32 sich bereit fühlt für ein gemeinsames Projekt mit jemandem, eine Kooperation, das Kind, die Familie.

Ganz anders als bis vor ein, zwei Generationen, wo man von Vornherein alles gemeinsam aufbaute, ein Leben, eine Zukunft, eine Familie – und 10 Jahre früher damit anfing. Ein Selbst, eine Identität, eine Persönlichkeit stand nicht extra auf dem Plan, das ergab sich nebenher, unvermeidlich und ohne Notwendigkeit, es als Schritt eins vor dem Schritt zwei des gemeinsamen Projekts zu verstehen.

Aber trotzdem. Trotz aller Einbildung und Eingebildetheit der Unabhängigkeit und Individualität, nur ein paar sind so fanatisch, so karriereversessen oder erfolgsbesessen, daß sie mehr oder weniger freiwillig alleinbleiben zwischen 20 und 30, weil sie keine Zeit und keine Energie für etwas anderes als Studium, Ausbildung und Beruf haben.

Die meisten haben jemand, eine Zeit lang, bis es auseinanderbricht, dan kommt der nächste und der übernächste, dazwischen mehr oder weniger lange Durststrecken. Jedesmal ist es eigentlich für immer gemeint. Eigentlich. Kaum einer denkt, na ja, ein paar Monate oder vielleicht ein paar Jahre, zum Überbrücken, aber ernst wird es erst mit 30 oder später, dann suche ich mir jemand zum Heiraten und Kinderhaben oder jedenfalls zum Kinderhaben. Die allermeisten haben die Idee, jetzt sind wir erst einmal ein paar Jahre so zusammen und später einmal kriegen wir ein Kind. Dann wenn die Umstände passen und wir uns beruflich etabliert haben und uns reif dafür fühlen.

Wie geht Dreisamkeit?

So sind die Leute verliebt und ziehen voller Hoffnungen zusammen und enttäuschen einander und trennen sich und verlieben sich wieder und ziehen wieder zusammen, und der Zweck des Ganzen besteht darin, sich das Leben schöner zu machen, als es wäre, wenn sie niemanden für sich hätten. Dann, nahe 30, wird es Zeit für etwas viel Ernsteres, nämlich das Kinderkriegen, das Familiegründen.

Aber sie kennen nichts anderes als eine sogenannte Beziehung, das heißt, einen anderen, der dafür da ist, einem das Leben leichter und schöner zu machen. Ein dritter Mensch, der legitimerweise dazugehört, um den sich sogar alles drehen soll und dreht? An den man bei allem zuerst denken muß, weil es nicht anders geht, an den man bei allem auch zuerst denken will, weil das der Zweck des aktuellen Partnerprojekts ist?

In Wirklichkeit viel mehr und viel tiefer, das Hinnehmen und Zugeben dessen, was man als braver Konformist mit dem Geist der Zeit als sekundär, tertiär aufgeschoben hat. Nicht einmal mit besonderer Überwindung und Mühe, jedenfalls nicht mit bewußt erlebter. Dem gegenüber man da ist, um ihm das Leben nicht nur schöner zu machen, sondern viel, viel mehr.

Das Leben überhaupt erst ermöglichen, das Aufdieweltkommen und danach alles, was Leben heißt und Leben ist. Für alles und ohne Abstriche und Unterbrechung verantwortlich sein, was das Kind braucht. Selber das Instrument für das Kind sein, für einen anderen Menschen, an den man keine Ansprüche stellen kann, wo es kein Quid-pro-quo gibt, der einem nichts zurückgeben braucht, auf das man ein Recht hat. Der nur durch sein Dasein und so Sein, wie er ist, eine Quelle der Freude und ein Anlaß für eine unbedingte Liebe ist.

Ein Anlaß für Anstrengung und Verausgabung, für die man gar keine Rechnung stellen würde und wollte, selbst wenn man es könnte. Obwohl man laut politischer Propaganda eigentlich sollte, jedenfalls wenn man statt man frau von sich sagen könnte.  Die Einseitigkeit der liebenden Sorge um das Wohl des anderen gab es davor für die beiden nunmehrigen Eltern in der bisherigen Position der Liebespartner nie.

Am Anfang ist so etwas da, bis zu einem gewissen Grad, aber zuerst die Hoffnung darauf und dann die Erwartung und schließlich die Forderung nach Gegenleistung an Aufmerksamkeit und Zuwendung sind bald selbstverständlich.

Sie kennen das freiwillig Einseitige nicht, sie haben es nie erlebt, sie waren so viele Jahre in der Situation, mit wie vielen oder wie wenigen Partnern auch immer, daß es um sie selbst ging und den Austausch nach Recht und Billigkeit und um sonst nichts, daß ihnen die Dreiersituation der Elternschaft als Zusatz zur Partnerschaft völlig fremdes Territorium ist. Nicht nur unbekannt sondern konträr zu ihrer vielleicht 10 Jahre langen Erfahrung mit der Liebe zwischen Mann und Frau und dem miteinander Leben.

Das zu zweit Sein um eines Dritten willen kennen sie nicht, alle Gewohnheiten und Fertigkeiten des Umgehens mit einem Partner entwickelten sie nur an dem Modell der Zwei für einander. Er für mich, und ich für ihn.

Die Singularität und anthropologische Zäsur der weiblichen Unfruchtbarkeit

Das im Kontrast zu den früheren Generationen, als man mit 20 heiratete und Kinder kriegte. Im Kontrast zu allen früheren Generationen, in denen die Partnerschaft selbstredend eine auf die Elternschaft gerichtete und der Beginn der Familie war. Unabhängig auch davon, ob die Gesellschaft Voraussetzungen verlangte, um für das Eingehen einer Ehe qualifiziert zu sein, wie vom Mann, daß er beruflich so etabliert sein mußte, daß er eine Familie erhalten konnte.

Vor der Pille hieß Geschlechtsverkehr „demnächst schwanger“, Schwangerschaft in absehbarer Zeit, Elternschaft direkt am Horizont, nicht weit unter ihm, im Irgendwann und im Vielleichteinmal. Von der Partnerwahl, der Verlobungszeit, der Heirat an, alle Einstellung zueinander und aufeinander und aller Umgang miteinander waren die zwischen zukünftigen Eltern der gemeinsamen Kinder.

Es gibt keine Tradition des Umgangs mit der künstlichen Unfruchtbarkeit der jungen Frauen, „gottseidank“ kann man sagen vom anthropologisch philosophischen und psychologischen Gesichtspunkt aus, „leider Gottes“ muß man sagen mit dem Blick auf Heutigen, die damit zurechtkommen müssen und denen vom Zeitgeist sogar ein Problembewußtsein dafür vorenthalten und verboten wird.

Die Singularität der Antibabypille bringt es mit sich, daß die Kulturgeschichte keine Umgangsweisen damit als Tradition anbieten kann, die Nachkriegsgeneration ist die erste, die damit zurechtkommen mußte, mehr ist nicht da als Hintergrund. Die 30-Jährigen von heute sind sogar noch deutlich überforderter davon als ihre Eltern, weil sie den Übergang, die bis heute nicht einmal als solche öffentlich bewußt gewordene anthropologische Zäsur, nicht erleben konnten, weder den ersten Teil, die Einführung der Pille noch den zweiten, die Legalisierung der Abtreibung.

Die fruchtbare Frau ist zur Anomalie geworden, zum Ausnahmefall, zum Sonderphänomen, zum Ergebnis individueller Entscheidung mit individueller Verantwortung und Rechenschaftspflicht. Vergleichbar wäre die denkbare zukünftige Situation, daß Antigravitationsgürtel zur Verfügung stehen, und jeder selbst entscheiden muß, ob er sich schwebend oder gehend fortbewegt.

Die erwartbare Beziehungskrise der jungen Eltern

Es wäre nach den skizzierten kulturellen Bedingungen ein Wunder, gerieten die „jungen“ Eltern mit 30 und darüber von heute nicht so häufig in eine veritable Beziehungskrise, wenn das erste Kind kommt oder da ist.

Sie widmet sich nur noch dem Kind, er hat zwar einerseits auch das Kind im Fokus, aber naturgemäß und aus organisatorischen Gründen hat er seine Frau trotzdem weiter im Blick. Sie ist so überwältigt und fasziniert vom Muttersein, daß er, der Mann ihr zwar als Vater bewußt ist, aber als Geliebter aus ihrem Blickfeld zu verschwinden droht. Bestenfalls noch als Unterstützer, Entlaster, Hintergrundfigur existiert er für sie.

Das Kindhaben und Muttersein ist so exotisch für sie, daß sie sich davon völlig vereinnahmen läßt, einerseits so herausfordernd, andererseits so befriedigend, daß sie für ihn keine Zeit, keine Energie und nach ihm als Mann kein emotionales Bedürfnis hat. Oft genug auch kein sexuelles. Besser: ein sexuelles schon gar nicht.

Schlimm wird es für den Mann, wenn er sich in die Position dessen gebracht sieht, der eine zusätzliche Belastung für die Frau darstellt, als einer, der ihre Aufmerksamkeit fordert, wie ein Konkurrent zum Kind, und sie damit überfordert. Oder eben links liegengelassen wird, wenn er sich nicht entsprechend heftig rührt.

Die Versuchung, sich von einer anderen Frau verführen zu lassen, die sich ihm als Mensch und als Mann mit Interesse zuwendet und sich von ihm fasziniert zeigt, ist in einer solchen Situation maximal.

Junge Eltern – je älter die „junge“ Mutter von heute ist, desto stärker kommt es zu tragen, weil sie entsprechend der gegenwärtigen kulturellen Norm des Westens so lange ihre Mutternatur unbeachtet ließ oder sogar entschlossen abgewehrt und abgetan hat – sind prinzipiell in der Gefahr der Vernachlässigung ihrer Liebesbeziehung und daraus einer Entfremdung, die in eine chronische übergehen kann.

Risikobewußtsein und Krisenmanagement sind erforderlich

Sie müssen sich daher dieses Risiko bewußt machen und von Anfang an aktiv dafür sorgen, daß sich die Entfremdung nicht einschleicht. Die Annahme, das gibt sich schon wieder, wenn die Umstellung auf das Leben zu dritt geschafft ist, ist keine empfehlenswerte. Nur wenn die Beiden Glück haben, pendeln sie sich von allein wieder aufeinander als Liebende ein.

Die gezielte Pflege ihrer Liebesbeziehung als Paar muß deswegen schon in der Schwangerschaft und noch mehr nach der Geburt als notwendig gesehen und ohne Ausrede betrieben werden. Ganz egal, wie automatisch diese Ausrede sich in x verschiedenen Weisen anbietet.

Es ist eben nicht selbstverständlich und geschieht nicht spontan, wenn man die Liebesbeziehung viele Jahre und mit mehreren Besetzungen der Rolle des Beziehungspartners als bloß dem gegenseitigen Wohl dienend erlebt und gestaltet hat, daß man damit problemlos zurechtkommt, wenn dann plötzlich die Dimension des Ausgerichtetseins auf das Kind dazukommt.

Krisenintervention und Paarcoaching

Es ist auch dringend anzuraten, sich an einen Paartherapeuten zu wenden, wenn die Entfremdung oder die Konflikte ein Eigenleben entwickeln und die beiden Partner nicht erfolgreich gegensteuern können, oder wenn einer der beiden kein Problem sieht, während der andere sich an den Rand gedrängt oder im Rückzug empfindet. Abwarten und Hoffen ist kein gutes Rezept! Es steht zu viel auf dem Spiel.

Auch wenn nur einer der beiden jungen Eltern an der Situation leidet und ein Paarcoaching in Anspruch nimmt, lassen sich trotzdem wirksame Schritte zum erfogreichen  Wiederbeleben der Liebesbeziehung zwischen ihnen erarbeiten. Man braucht nicht warten, bis der andere sich vielleicht überreden läßt. Auch ein Ultimatum ist überflüssig.

„Zeit ist Leid“, gilt hier mit besonderer Tragweite. Es ist sehr viel schwieriger, die Aufspaltung in die zwei Subsysteme Mutter-Kind und Vater-daneben wieder zur Realität zu bringen, daß es sich um die tatsächlichen Konfigurationen Mann-Frau und Vater-Mutter-Kind handelt, nach denen der Alltag auszurichten ist, wenn sich das Ganze schon als Gewohnheit eingefahren hat.

Auch ein Partner allein kann mitthilfe des Paartherapeuten das Steuer in der Beziehung herumreißen, denn auch in einer verfahren scheinenden Beziehungssituation gilt das Prinzip, daß zwei dazu gehören, den Status Quo aufrechtzuerhalten. Einer allein muß schon sehr verbissen und fixiert sein, um nicht früher oder später auf das veränderte Verhalten des anderen entsprechend anders zu reagieren.

Der Mann ist gefragt

Wenn zum Beispiel der Mann seine liebevoll und verantwortungsvoll gemeinte Hinnahme des Ausgegrenztseins beendet und sich auf die Hinterbeine stellt, besteht eine gute Chance, daß der Frau zu Bewußtsein kommt, daß sie ihn zuerst geliebt hat und erst daraus als Folge das gemeinsame Kind gezeugt wurde und auf die Welt gekommen ist. Das muß ihr erlebbar werden, das kognitive Wissen darum genügt im Bann des emotionalen Verfangensein in der Mutterschaft nicht.

Und es ist in diesem Fall die Aufgabe des Mannes, sie aus der Mutterrollentrance herauszuholen. Ohne Wenn und Aber. Wenn er auch nur sein Bestes dafür tun kann, und keine Garantie besteht, daß sie aufwacht, ist es trotzdem seine moralische Pflicht und in Kongruenz mit der Realität, daß er es in Angriff nimmt. Wie ein Mann, könnte man sagen.

„Wie ein Mann“, muß man sogar sagen, denn wenn sie ihn als Mann erlebt, im puren instinktiven Sinn, ganz unabhängig von zeitgeistigen und zeitgeistlichen Vorstellungen, dann erregt das ihre instinktive Aufmerksamkeit und ihr ebenso instinktives Bedürfnis, an ihm Orientierung und Halt zu haben.

Exkurs: Emanzipation der Männlichkeit

Daß heute kaum einer das Selbstvertrauen und die Unabhängigkeit hat, überhaupt darauf zu vertrauen, daß er als Mann etwas anderes ist als ein sich zu reformieren habender Zögling des feministischen Zeitgeists, ist deswegen nicht geleugnet.

Daß er, je gebildeter und progressiver und idealistischer, desto heroischer, sich verpflichtet fühlt, das Männliche als defizitäres Artifakt einer unheilvollen traditionellen Sozialisation in Geschlechterrollen abzuwerten, ist ihm nicht persönlich als Irrtum anzulasten.

Aber mithilfe eines Paarcoaches, der sich dieser Thematik und Problematik ausreichend bewußt ist, kann er den Zugang zu seiner subtextuell prä- und postkulturalistischen Souveränität dechiffrieren – für diejenigen formuliert, denen eine derartige Ausdrucksweise geläufig ist.

Und weiter vor den Konzepthorizonten von Text und Subtext kontextualisiert:

Den Bezug auf hegemoniale patriarchalische Männlichkeiten als Rationalisierungskonstrukt für die Unterwerfung und Unterworfenheit unter die feministische Diskursbemächtigung entlarven, kann man auch sagen.

Für diejenigen, die damit etwas anfangen können.

Ansonsten, seine Frau so behandeln, wie sie es braucht, um sich als Geliebte zu erleben, ob sie sich dessen mehr oder weniger bewußt oder unbewußt ist. Was umgekehrt bedeutet, wie er es als Mann braucht, um sich als Liebender zu erfahren statt nur als Dienender und Sorgender.

Existenziell letztlich noch wichtiger für alle drei Beteiligten, der Mann tut auf diese Art gut daran, seiner Verantwortung als Vater in konsequenter Initiative gerecht zu werden. Denn sein Kind hat laut aller einschlägigen Studien schlechtere Karten in sämtlichen Indikatoren für psychosoziales Wohlbefinden oder ein glückliches Leben, wie man so sagt, wenn er nicht auf relevante Art in der Kindheit und Jugend präsent ist.

Exkurs: Entwicklungspsychologie

Wobei man sich daran erinnern kann, daß die Partner es vertragen, wenn es einmal ein paar Monate oder sogar Jahre nicht so richtig läuft, weil man sich als Erwachsene immer wieder neu aufeinander einstellen kann, falls man zu unzufrieden geworden ist.

Im krassen Gegensatz dazu läßt sich für das Kind, und je kleiner, desto mehr gilt das, nicht ohne weiteres im Nachhinein korrigieren, was davor falsch gelaufen ist.

Seine Entwicklung verläuft so, daß immer das vonnöten ist, was die gegenwärtigen organismischen und psychischen Bedürfnisse befriedigt. Man denke an den Begriff der Zeitfenster, die sich öffnen, und innerhalb derer ganz bestimmte Erfahrungen die Entwicklung von Fähigkeiten ermöglichen, die dann die Grundlage für die nächsten Entwicklungsschritte darstellen. Hat sich das Fenster wieder geschlossen, ohne daß dem Kind die entsprechende Art der Zuwendung und der Anregungen zur Verfügung gewesen ist, ist ein spezifisches Enwicklungsdefizit entstanden, das nicht durch zeitlich spätere Lernerfahrungen einfach ausgleichbar ist.

Das Kind, besser gesagt, der Mensch muß in diesem Fall seine weitere Entwicklung und sein Leben mit der entstandenen Lücke oder dem Mangel bewältigen und das Nichtgelernte, das Fehlende oder falsch Gelernte mit extra Aufwand so gut wie möglich kompensieren. Wie recht oder schlecht das jeweils möglich ist, erweist aber erst die Zukunft.

Die innere Sicherheit, die beide Eltern, die Mutter wie der Vater, daraus gewinnen, daß sie einander treu bleiben und nicht mit dem Kind „emotional fremdgehen“ und den Liebespartner „betrügen“, erlaubt eine Souveränität im Umgang mit dem Kind, die das Kind braucht.

Es darf für die Mutter nicht wichtiger werden als der Vater, in dem Sinn, daß es zur primären Bezugsperson avanciert und ihr den erwachsenen Partner sozusagen emotional ersetzt. Umgekehrt gilt natürlich dasselbe.

Aktive Entschlossenheit und beharrliche Konsequenz

Auf die Gefahr hin, schon geöffnete Türen einzurennen, sei es allen übermüdeten, überlasteten und „am Rande des Nervenzusammenbruchs“ balancierenden jungen Müttern und jungen Vätern noch einmal ausbuchstabiert: Unabhängig von der hinzugekommenen mütterlichen, väterlichen und gemeinsamen elterlichen Liebe, Sorge und Verantwortung für das Kind muß die Verbindung zwischen Mann und Frau ihren ursprünglichen Charakter des Liebesverhältnisses behalten dürfen! Das ist nicht leicht, überhaupt nicht. Aber essenziell. Und es geschieht nicht von allein. Sondern bedarf der aktiven Entschlossenheit und der beharrlichen Konsequenz.

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