Tut mir leid – es ist zu spät!

Wenn der Zug abgefahren ist, braucht man sich nicht mehr abhetzen, ihn vielleicht doch noch zu erwischen.

Wer gleich von der Theorie zur Praxis schauen möchte, findet den Abschnitt hier!

I

Wenn der Berg der Enttäuschung über die lange Zeit zu groß geworden ist, kann man ihn nicht mehr überwinden; und will es auch nicht mehr. Wozu denn? Der andere hat sich ohnehin nicht geändert! Würde man das Vergangene vergangen sein lassen, machte man tabula rasa, finge man sozusagen noch einmal von vorne an, erlebte man doch nach kürzester Zeit dasselbe in Grün! Das kann man sich an den Fingern einer Hand abzählen!

Und meinetwegen, vielleicht reißt er sich zusammen, vielleicht bessert er sich – aber wo bleibe ich dann? Ich bliebe dann sitzen auf den Jahren des fruchtlosen Bemühens, des Nichternstgenommenwordenseins, des im Regenstehengelassenwordenseins, des Übergangenwordenseins, auf den Jahren der Einsamkeit, der Resignation, der Verzweiflung!

Ach jetzt, jetzt, wo ich sage, mir reichts, und zwar endgültig, ich kann nicht mehr und ich will nicht mehr – jetzt auf einmal hört er zu, jetzt auf einmal sieht er ein, welche Fehler er gemacht hat, jetzt auf einmal tut es ihm leid, unendlich leid; jetzt gelobt er Besserung, jetzt weiß er, wie wichtig ich ihm bin, jetzt will er mich unter keinen Umständen verlieren, jetzt braucht er mich, jetzt bin ich das Wichtigste in seinem Leben! Tsh! – Daß ich nicht lache! Man weiß nicht, soll man lachen oder weinen. Was für eine Ironie! Was für ein dreimal gewickelter Sarkasmus! Jetzt kommt man sich beinahe noch hartherzig und grausam vor, daß man sich auf nichts mehr einlassen will!

Nein, sicher nicht! Es ist zu spät mein Lieber, da hilft auch kein Rotzundwasserheulen, kein Winseln und kein Betteln, keine hochheiligen Versprechungen! Ich bin auch nur ein Mensch, ich hab auch ein Recht auf Glück, ich möchte mich endlich unbelastet am Leben freuen können! Das hättest du dir alles früher überlegen müssen, du hast genug Zeit gehabt, dich zu besinnen, ich hab es dir tausend- und einmal zu verstehen gegeben, daß ich so nicht leben will, daß ich mir eine Beziehung anders vorstelle! Aber du warst mit dir selbst beschäftigt, du hattest wichtigere Dinge im Kopf, und ich war dir nur lästig, nur ein Störfaktor, sobald ich den Mund aufgemacht hab, um dir zu sagen, wie es mir bei dem Ganzen geht!

Du hast keine Zeit dafür gehabt, du hast es nicht für nötig befunden, dich auf mich einzulassen und mir zuzuhören! Bis ich dann einsehen mußte, daß es zwecklos ist, und aufgegeben hab‘ und nur noch irgendwo in irgendeinem versteckten Winkel meiner Seele gehofft und gewartet habe, daß vielleicht ein Wunder geschieht, und du von dir aus das Bedürfnis kriegst, dich für meine Gefühle und meine Bedürfnisse zu interessieren. Aber das ist lang her, diese kindische Hoffnung habe ich hinter mir. Und das ist auch das Gute an unserer Situation, ich mache mir keine Illusionen mehr!

Ich mache dir auch keine Vorwürfe mehr, du bist eben so. Ich wollte es nur die längste Zeit nicht wahrhaben. Ich dachte, du würdest dich weiterentwickeln, du würdest anfangen, Verantwortung zu übernehmen für unsere Beziehung und für die Familie, du würdest deine Selbstbezogenheit überwinden, sodaß eine wirkliche Partnerschaft möglich gewesen wäre statt eines bloßen Nebeneinanderherlebens. Ich hab‘ dir das zugetraut, ich war mir sogar sicher, daß wir dir wichtig genug sind, daß du es nicht zulassen würdest, daß du dich immer mehr von uns entfernst und bestenfalls noch körperlich anwesend bist, aber seelisch woanders, in dich zurückgezogen, teilnahmslos uns gegenüber, nur mehr genervt von uns und immer weniger Zeit überhaupt zuhause.

Ich war eben naiv, das war mein Fehler. Ich hab‘ mir ein Wunschbild von dir gemacht, ich hab‘ mir eine schöne Zukunft für uns vorgestellt und daran festgehalten, ich hab‘ mich daran geklammert, zunehmend verzweifelt, zunehmend erschöpfter, aber ich wollt‘ und wollt‘ meinen Traum nicht fahrenlassen, das wäre eine so schlimme Niederlage gewesen! Jetzt hat mich die Realität trotz allem eingeholt, jetzt kann ich zwischen Illusion und Wirklichkeit unterscheiden, so bitter, so schmerzhaft diese Ernüchterung auch ist!

Aber ich hab‘ mehr als mein halbes Leben noch vor mir und ich weiß jetzt, es ist besser, die Dinge von Anfang an objektiv und nüchtern zu beurteilen und die Wunschträume Wunschträume sein zu lassen! Und ich bin sogar dankbar dafür, daß mir die Augen noch rechtzeitig aufgegangen sind, bevor es zu spät ist, und die Bitterkeit sich einstellt, aus der man nicht mehr herauskommt.

 

II

Die Bitterkeit ist schon am Ruder, nicht die endlose des Alters, sondern die bittere Rache, die bittere Genugtuung, der bittere Triumph, der bittere Stolz, den man in diesem Moment für seine Selbstachtung braucht.

Die Bitterkeit, die einen stark macht, die einem erlaubt, der grenzenlosen Enttäuschung zu trotzen, anstatt sich von ihr ihn den Abgrund stürzen zu lassen.

Wenn man dann stark genug ist, kann man es sich leisten, bescheiden zu werden und den Balken vor der eigenen Stirn zu untersuchen, statt einen Splitter im Auge des Gegenübers nach dem anderen mit Schauder und Ekel zu analysieren, das vernichtende Urteil stets vorgefaßt, nur noch einmal bestätigt. Und nocheinmal und noch einmal, bis man alle seine Zweifel zum Schweigen gebracht hat.

Die lebenslange Bitterkeit, die lebenslange Verachtung, der lebenslange, eiskalte Haß auf den, der einem sein Glück zerstört hat, ist  traditionell durchaus beliebt. Weil die Zweifel nicht in einem Durchgang für immer zu verbannen sind, selbst wenn dieser nach allen Regeln der alttestamentarischen Gerechtigkeit bis zur Neige exerziert worden ist, bis hin zum Pathos und Ethos der griechischen Schicksalstragödie mit Masken, Chor und den leibhaftig gewordenen Erinnyen.

Ganz im Gegenteil, wie der Hausverstand kommentiert, es gehören immer zwei dazu. Und solange man nicht in den Trutzburgen des Wahnsinns seine Zuflucht sucht, findet dieser in seiner Penetranz immer wieder eine unvermutete Gelegenheit, dem Menschen seine leidige Binsenweisheit ins Ohr zu raunen.

Verblendung ist der Fluch der Götter, die auf homerisches Gelächter aus sind. Die Selbstgerechtigkeit erscheint als Gerechtigkeit, mit bestem Wissen und Gewissen, in aller Objektivität und Nüchternheit, rechtschaffen und bieder oder moralphilosophisch und spirituell geprüft und besiegelt.

Je nach Geschmack geht man eher naiv hausbacken an die Schuldfrage heran, „Was kann ich dafür, daß der andere ganz einfach nicht zuhören wollte und kein Interesse daran hatte, wie es mir in unserer Beziehung ging!“;

oder hausbacken psychologisch gebildet, „Der andere ist ein Narzißt, das erkennt man eben erst im Lauf der Zeit, weil jemand mit dieser Persönlichkeitsstörung andere Menschen derart perfekt manipuliert, daß sie sich die längste Zeit immer selber schuld vorkommen, wenn sie in der Beziehung mit ihm frustriert sind, weil er nur sich selbst und seine Interessen im Auge hat!“, wahlweise auch unter Heranziehung anderer Diagnosen, die alle miteinander den Verdacht eigener Haftbarkeit für den jahrelangen Beziehungsfrust entkräften, bleibt man im Rahmen der Hausbackenheit.

Am schlimmsten ist die akademisch gebildete und berufszugelassene psychologische Hausbackenheit, die überzeugt den Anwender wasser-, feuer- und erdbebenschadenversichert. Womit dem fachfremden einerseits die Mühe erspart werden soll, sich jemand zu suchen, der ihn für das entsprechende Honorar lege artis psychodiagnostisch freispricht, andererseits die sich über kurz oder lang oder sehr lang einstellende retrospektive Selbstabwertung, was er damals für ein Tölpel war – diese Art selbstgerechter Verblendung kommt in den besten und allerbesten Familien vor, es ist eine anthropologische Konstante, die des Alters und der damit möglichen Weisheit bedarf, ihrer Versuchung nicht zu verfallen.

 

III

Wenn man dann stark genug ist, bedarf es nicht allzuviel Federlesens sich einzugestehen, daß man jeweils wieder zurückgezogen hat, bevor man seine Bedürfnisse, zum Beispiel das, aufmerksam angehört zu werden und verbindliche Antworten zu erhalten, tatsächlich erfüllt bekommen hatte. Daß man sich abwimmeln lassen hatte; oder ablenken; oder einkaufen; oder für dumm verkaufen; oder einschüchtern; oder abschrecken; oder bestechen; oder erpressen, besonders beliebt bei bestimmten Menschen: moralisch erpressen; oder sonstwie von dem abbringen, was man als Absicht verfolgte.

Was einem weiter auffällt

Stufe 1:
Man hat seine typischen Schwächen erlebt und ihnen wie typisch immer wieder nachgegeben; seinen typischen Ängsten; seinem typischen Ärger; seinem typischen schlechten Gewissen; seiner typische Überheblichkeit; seiner typischen Unterwürfigkeit; seiner typische Unsicherheit; seinen typischen Selbstzweifeln; seiner typischen Impulsivität; seiner typischen Hilflosigkeit; seiner typischen Halsstarrigkeit; seinen typischen tausendundeinen kleinen, mittleren und großen Macken und Krämpfen und Komplexen.

Die nächste Stufe der Einsicht:
Das sind die Macken, Krämpfe und Komplexe, die man schon hatte, bevor man überhaupt wußte, daß es einen Menschen des Geschlechts und des Namens und des Geburtsdatums seines späteren Liebes- und Lebenspartners überhaupt gibt auf der Welt.

Die übernächste:
Das sind die Schwächen, die mit denen des anderen perfekt harmonieren. Wer zur Unterwürfigkeit neigt, sucht sich einen Überheblichen; wer zur Überheblichkeit neigt, sucht sich einen Unterwürfigen. Und so weiter, und so fort.

Die überübernächste:
Wer zur Unterwürfigkeit neigt, hat die Unterwürfigkeit als Kind in der Familie beigebracht bekommen; wer zur Überheblichkeit neigt, hat als Kind in der Familie die Überheblichkeit gelernt. Und so weiter. Und so fort.

Auf dieser Stufe des Selbstverstehens und damit des Verstehens von Partnerschaften und des anderen Menschen in der Beziehung angelangt kann man aus eigener Erkenntnis nachvollziehen, was hier auf der Seite „8 Zusprüche für zwei in schwierigen Zeiten“ als fünfter Zuspruch angeführt ist: 

Die übliche Hoffnung, mit jemand anderem könnte man haben, was man sich wünscht und glücklicher sein, ist zwar tröstlich, aber eine Illusion. Nach einiger Zeit steht man vor den gleichen oder vergleichbaren Schwierigkeiten, es geht nur jedes weitere Mal schneller, bis es so weit ist

Die überüberübernächste:
Solange man seine Schwächen nicht unter Kontrolle hat, sucht man intuitiv nach anderen Menschen, zum Beispiel nach dem nächsten Partner, bei denen man damit gut aufgehoben ist, weil sie die komplementäre Tendenz haben und daher ihrerseits genau auf so jemanden, wie man selber ist, „abfahren“.

Zugleich erlebt man allerdings auch das Problematische, das Schmerzhafte, das Enttäuschende im Spiel der komplementären Schwächen im Lauf der Zeit immer deutlicher, bis man an den Punkt kommt, wo man sich sagt, so kann das nicht weitergehen, da muß etwas anders werden und zwar entscheidend!

Und weil den anderen zu ändern oder ihn zur Änderung zu motivieren so viel ungefährlicher und einfacher scheint, als sich selbst, was aber blöderweise ganz genau auch dessen Auffassung ist, enden die beiden über kurz oder lang im Patt, wo jeder sich insgeheim oder offen darüber beklagt, daß es mit dem anderen immer weniger auszuhalten ist, weil der ganz einfach unrettbar verstockt ist! Oder gestört! Oder vom bösen Geist besessen! – Gut, Letzteres ist aus der Mode!

Daß man seine Macken, Krämpfe und Komplexe nicht kraft Willensbeschluß von einem Tag auf den anderen oder einer Woche, einem Monat, einem Jahr auf die, den, das andere, anderen, andere ablegen kann, wird wohl keiner weiteren Argumentation bedürfen.

Wie aber überwindet man sie sonst? Genau eben in der Konfrontation, in der Beziehung mit einem anderen Menschen, der sie durch seine dazupassende komplementären Schwächen automatisch provoziert, aktiviert und auf der emotionalen Ebene unwillkürlich verlangt. Weil er sie, durchaus normalerweise jenseits einer Bewußtheit dafür, braucht, um die eigenen weiterhin ausleben zu können.

Wozu das? Weil das sich Hingeben, das Nachgeben, das sich motivieren und steuern Lassen von den Versuchungen der eigenen Schwächen sehr viel leichter, natürlicher und sowohl bequemer als auch sicherer ist als das der Versuchung Widerstehen, und sie mit extra Einsatz von Willenskraft und Selbstdisziplin in Schach zu halten. Auch das ist offensichtlich keine exotische Logik!

So wie man das Lampenfieber nur überwinden kann, wenn man sich trotzdem auf die Bühne wagt, kann man seine typischen  Schwächen, aus denen heraus man es nicht schafft, selbstsicher und unbefangen in den Szenen und Dialogen mit einem Partner aufzutreten, der zielsicher den Finger auf alle wunden Punkte legt, nur überwinden, wenn man sich trotzdem immer wieder mit ihm hinstellt. Das findet sich als sechster Zuspruch auf der Seite „8 Zusprüche für zwei in schwierigen Zeiten“ :

Die Idee, man hat aus seinen Irrtümern und Fehlern gelernt und begeht sie nicht noch einmal, klingt vernünftig, entspricht aber nicht der Realität. Man nimmt sich selbst in die nächste Beziehung mit und sucht sich unbewußt und daher umso zielsicherer einen Partner, der einen mit dem Gleichen konfrontiert, das man davor nicht bewältigt hat.

 

IV

Es handelt sich also mitnichten um Dummheit oder eine Art von Masochismus, daß man sich (immer wieder) in genau den falschen Mann (oder die falsche Frau) verliebt, obwohl man sich geschworen hat, nie wieder bin ich so blöd, daß ich auf so einen (oder so eine) hereinfalle. Und immer wieder ist am Anfang alles super, um nicht zu sagen eitel Wonne und der Himmel auf Erden oder jedenfalls alles im grünen Bereich. Hätte man einen Paartherapeuten im Schlepptau gehabt, hätte einen der vorm nächsten Sprung in den Abgrund der gleichen Beziehungshölle zurückgerissen. Oder vielleicht auch nicht, weil man sich eben so lange diese ganz bestimmten inkompatiblen Partner sucht, die einem aber zuerst als genau der richtige Kandidat erscheinen, bis man das Wesentliche begriffen und bewältigt hat.

Dieses Wesentliche hat eine tiefe Komponente, man sucht das beim anderen, was im komplementären Spiel der provozierten Schwächen die Dilemmata aus der Herkunftsfamilie einerseits zuerst re-inszeniert, um sie andererseits anschließend auflösen zu können. Das Ziel der scheinbar mechanisch, wie aus einem unbewußten Zwang, gesuchten Wiederholung des strukturell gleichen problematischen Beziehungsverhältnisses ist die Herstellung von Gerechtigkeit aus der Ungerechtigkeit, der positiven Bewältigung des oft schon über Generationen in den Herkunftsfamilienlinien auf gleiche Art Unbewältigten und Leidvollen in den familiären Beziehungen.

Jede Generation macht es sich unbewußt, manchmal auch bewußt, zur Aufgabe, die Fehler der Eltern nicht zu wiederholen, es besser zu machen, den eigenen Partner besser zu behandeln und den eigenen Kindern nicht das Unrecht zuzufügen, das einem damals zugefügt worden ist. Und das geht tatsächlich nur, wenn man zuerst einmal die gleiche ungerechte Ausgangssituation reinszeniert, wenn man sich in die – strukturell – gleiche schwierige Position bringt wie die, in der sich die Eltern befunden haben. Es ist so, als wollte man den Eltern und Vorfahren zeigen, wie es trotzdem gutgehen kann, als versuchte man, den nächsten möglichen Schritt zum Guten, zum Gerechten und Liebevollen gehen, als wäre man Mitarbeiter in familiären Gerechtigkeitsprojekten, welche über die Generationen vorangetrieben werden.

Reinszeniert werden das Beziehungsverhältnis, die Beziehungspositionen und -rollen, die Beziehungsspiele der Eltern zueinander, das Verhältnis zum gegengeschlechtlichen Elternteil, das schon eng damit verflochten war, das Verhältnis zum gleichgeschlechtlichen Elternteil, kurz: das familiäre Beziehungsgeflecht, die familiären Beziehungspositionen, die familiären Beziehungsspiele. Daraus ergibt sich die Chance und zugleich die Not, die leidvollen und ungerechten Spiele so zu transformieren, daß ihr freudvolles und gerechtes Potential zum Vorschein kommt und die Liebe ans Ruder.

Jeder der in diesem großen Projekt beteiligten Beziehungspartner ist unbewußt im gleichen Dilemma zwischen der loyalen Treue zur Beziehungskultur seiner Herkunftsfamilie und zu den Eltern als deren Autorität und maßgebende Protagonisten einerseits und dem Streben zur Emanzipation davon, das einerseits aus dem unerfüllten Bedürfnis zur unbefangenen Selbstbehauptung des Kindes von damals stammt und andererseits aus der Verantwortung für die eigene Partnerbeziehung und die Beziehungskultur, in der die Kinder großwerden sollen,  eine Kultur, die er nach bestem Wissen und Gewissen gerecht und liebevoll zu gestalten sucht.

Beide gemeinsam sind zugleich die Erben ihrer Traditionen und die Pioniere des idealistischen Fortschritts in ihrer eigenen Verantwortung.

 

V

Wenn der Zug abgefahren ist, kann man sich ein Taxi nehmen oder mit dem Bus fahren oder autostoppen oder Bekannte anrufen, ob sie einen chauffieren würden, oder sich ein Auto mieten oder: auf den nächsten warten oder die Reise verschieben oder die Zeit nutzen, sich den Sinn und Zweck der Reisepläne in der bescherten Muße ohne Hetze noch einmal gründlich zu überlegen.

 

Von der Theorie zur Praxis

„Es ist zu spät, der Zug ist abgefahren!“ ist eine weit verbreitete, verständliche und scheinbar logisch zwingende Haltung des Partners, der über Jahre immer wieder auf die gleiche Art entäuscht worden ist und sich nach langem inneren Ringen notwendigerweise und damit berechtigterweise am Ende seiner Geduld mit dem anderen versteht.

  1. Das Ende der Geduld zu deklarieren, zuerst im eigenen Denken, dann in der Kommunikation mit dem Partner, ist eine Befreiung, eine Entlastung, ein Akt der Selbstversicherung der eigenen Würde und Selbstachtung, ein Schritt der radikalen Selbstbehauptung gegenüber dem Partner.
  2. Die Trennung als notwendig und berechtigt zu sehen, ist zugleich bitter und süß. Das Bittere entspricht dem Bewußtsein des Scheiterns und der späten Genugtuung, dem „Auge um Auge, Zahn für Zahn“ der archaischen Gerechtigkeit. Das Süße der Aussicht auf eine bessere Zukunft, befreit von der erdrückenden, deprimierenden und lähmenden Bürde der Resignation.
  3. Man braucht das Gefühl der Kraft zur Selbstbehauptung, das man so lange vermißt hat, aber man braucht sich daran nicht endlos festklammern. Es reicht, daß man es solange auskostet, bis man seiner Kraft gewiß geworden ist und den Entschluß gefaßt hat, sich der Schwäche nie wieder zu ergeben.
  4. In dieser neuen oder wiedererlangten Gewißheit der Fähigkeit zur natürlichen, unbefangenen Selbstbehauptung kann man es sich nun leisten, zurückzuschauen und herauszufinden, wie man es angestellt hat, daß man über die Jahre immer wieder zurückgesteckt und aufgegeben hat, anstatt sich in den wesentlichen Dingen zu behaupten.
  5. Man erkennt, wie man in tausend kleinen Dingen immer wieder zwar äußerlich nachgegeben oder aufgegeben hat, aber zugleich innerlich dem anderen dafür einen Vorwurf gemacht hat. Man erkennt, daß es aus Liebe, aus Rücksicht, aus Vermeidung unnötiger Konflikte, eben aus lauter ehrenwerten Motiven geschehen ist. Man erkennt, daß man auf die Durchsetzung der eigenen Bedürfnisse und Ansprüche immer wieder mit dem Gedanken verzichtet hat, es mache einem nichts aus, man komme damit zurecht, es sei nicht tragisch – während der andere sonst gekränkt, verletzt, beleidigt und böse auf einen wäre. Im sprichwörtlichen Klischee: „Bevor ich mir drei Tage lang ihr beleidigtes Gesicht anschauen muß, geb‘ ich halt nach!“
  6. Der geheimgehaltene Vorwurf beim Nachgeben jedesmal war nicht tragisch, es war nur ein Anflug von Enttäuschung, ein kleines Ressentiment, das man problemlos wegstecken konnte. Allerdings mahlen Gottes Mühlen langsam aber sicher! Nach Jahren und tausenden kleinen Enttäuschungen, die man hingenommen hat, hat sich daraus ein Berg von Ressentiment aufgebaut! Eine chronische Enttäuschung, ein andauerndes Gefühl von nicht ernstgenommen zu werden, nicht geachtet zu werden, nicht verstanden zu werden oder – unterm Strich – nicht wirklich geliebt zu werden.
  7. Eines Tages ist man dann soweit, daß man dieses Ungleichgewicht, diese Einseitigkeit, den Umstand, daß es immer nur um den anderen geht, um dessen Bedürfnisse, dessen Ansprüche, dessen Gefühle, dessen Probleme, dessen Frustrationen und Befriedigungen, dessen Interessen und Zwecke, während die eigenen unter den Tisch fallen, als zuviel, als nicht mehr akzeptabel, als eine fundamentale Ungerechtigkeit, als definitiv unerträglich und unhaltbar beurteilt. Und dann stellt man dem anderen entweder ein Ultimatum oder erklärt gleich die Trennung.
  8. Den Berg des Ressentiments irgendwie zu überwinden, erscheint einem aussichtslos. Sich dafür überhaupt selber zuständig zu sehen, als frivol. Es war schließlich der andere, der einen jedesmal so unter Druck gesetzt hat, daß man ihm zuliebe zurückgezogen hat! Man selbst hat sich schließlich liebevoll, rücksichtsvoll, einfühlsam und großzügig verhalten – der andere hingegen ist einem sogar das gerade noch vertretbare Mindestmaß an Interesse, Verständnis und Rücksicht schuldig geblieben!
  9. In der Rückschau in der inzwischen wieder erlebten Selbstachtung (durch die Deklaration des ultimativen Endes seiner Geduld mit dem anderen) kann man sich nachträglich die Erkenntnis leisten, daß man erstens freiwillig nachgegeben hat, egal wie edel, hilfreich und gut die Motive dafür waren, und zweitens der Berg des Ressentiment bloß solange existiert, wie man dem anderen weiterhin den Vorwurf macht, er hätte es nicht ausnutzen dürfen, was man ihm so großherzig und aufopferungsvoll angeboten hatte.
  10. Das ist zugegebenermaßen eine herbe Einsicht, zwar im Lichte der Vernunft lapidar und undiskutierbar, aber man gerät in die Position, wo man zum Schaden noch den Spott dazu erntet. Jetzt ist der Moment, wo man die wiedergewonnene Selbstachtung dem Härtetest unterziehen kann:

    Bin ich meiner Kraft zur Selbstbehauptung schon sicher genug, daß ich mir die Selbstverantwortung für die Entscheidung zum präventiven Nachgeben versus dem den Konflikt in Kauf nehmenden Durchsetzen nach Maßgabe von Fairneß und Gerechtigkeit klarmachen kann, ohne ein Wenn und Aber nach dem anderen anzuführen, mit dem ich mich noch immer als Opfer des anderen entschuldigen will?

    Oder spiele ich weiterhin die Rolle dessen, dem es nicht zuzumuten ist, der davon überfordert ist, für sich und seine Bedürfnisse entschieden genug einzustehen?

  11. Früher oder später wird man sich dazu bequemen, den psychologischen Fakten keine kindischen Ausreden mehr entgegenzuhalten. Allein in freier Wildbahn kann das tatsächlich Jahrzehnte dauern – gecoacht von einem Paartherapeuten ist es keine Hexerei, sondern ein sich anbietender Schritt zum Status des seiner Selbstverantwortung uneingeschränkt bewußten Erwachsenen. Der für seine Schwächen und Irrtümer keine Sündenböcke braucht, weil er weise genug geworden ist, zu verstehen, daß noch keiner geboren ist, der ohne Sünde geblieben wäre. Der versteht, daß man immer erst im Nachhinein klüger wird, und daß genau darin das Charisma des Menschen besteht, daß er aus Versuch und Irrtum lernt und mit der Zeit der Übung die Fähigkeit entwickelt, den Versuchungen immer erfolgreicher zu widersagen!
  12. Na gut – und was macht man dann, konkret und praktisch? Wenn man Glück hat, und der andere hat noch nicht unwiderruflich das Weite gesucht hat, praktiziert man die konsequente, faire und gerechte Durchsetzung der eigenen Bedürfnisse, Vorstellungen und Ansprüche; aus eigener Initiative, aus eigener Motivation; ohne Ausreden und Beschuldigungen; ohne darauf zu schielen, ob der andere damit etwas anfangen kann, ob er das neue Verhalten begrüßt oder zu boykottieren strebt; ohne Rücksicht auf Verluste, könnte man sagen – bedenkt man, daß beide nichts anderes zu verlieren haben als die Abhängigkeit von ihren Schwächen; mit dem Ehrgeiz des Sportlers, der so lange trainiert, bis er mit seiner Leistung zufrieden ist.
  13. Na fein – und was wenn der andere nicht im Traum daran denkt, irgendetwas anders zu machen als all die frustrierenden Jahre davor? Das wird er zuerst einmal und sogar extra penetrant, wenn auch nicht unbedingt bewußt oder gar zugegeben. Aber steter Tropfen höhlt den Stein! Man kann nicht ewig weiter ein altes Spiel spielen, wenn der Spielpartner neuen Regeln folgt, egal was man anstellt! Das wird einem irgendwann zu dumm. Dann freundet man sich mit dem neu angebotenen Spiel an oder verläßt das Spielfeld und sucht sich einen Partner, mit dem  man das alte weiterspielen kann. Das heißt, keiner kann seinen Partner dazu veranlassen, sich neu zu orientieren, wenn der partout nicht will! Aber jeder kann aus eigener Entschließung konsequent fair und gerecht mit dem anderen umgehen und der Versuchung widerstehen, in die zur Unfairheit und Ungerechtigkeit führenden Umgangsmethoden aus der Vergangenheit wieder einzuklinken.
  14. Um es zu betonen: der andere gerät in die Krise, wenn er mit den jahrelang akzeptierten Verhaltensweisen und Einstellungen auf einmal  konsequent Schiffbruch erleidet! Aber Krise heißt nichts anderes, als mit der Notwendigkeit zur Neuorientierung konfrontiert zu sein. Noch präziser: keiner orientiert sich in wesentlichen Erwartungen und Verhaltensweisen neu, wenn es nicht sein muß! Das ist das ökonomische Prinzip unseres Energiehaushalts, dem wir notwendigerweise Beachtung schenken müssen, weil wir nicht unbegrenzt Kraft zur Verfügung haben. Das geschieht automatisch und lebenslang so, auch wenn wir die vielen kleinen Krisen im Laufe der Jahre und Jahrzehnte nicht extra als solche bezeichnen. Gottseidank halten wir heftigere Turbulenzen nicht unbegrenzt lange aus, sondern arrangieren uns rechtzeitig so, daß wir entsprechend der neuen Umstände in ein neues Gleichgewicht kommen.
  15. Das bedeutet, wenn die Veränderung der Beziehung in einem Paar vorerst auch einseitig erfolgt, und eine zeitlang Turbulenzen heftiger Art herrschen, kommt es früher oder später zu einer neuen Harmonie, die für beide befriedigend ist. Vorausgesetzt, es läuft keiner davon, bevor sich das neue Gleichgewicht einpendeln kann.
  16. Nur weil der andere in die Krise gerät, wenn sein Partner die vertrauten Spiele nicht mehr mitspielt und unbeirrbar konsequent nur mehr zweifelhafte neue anbietet, heißt das aber nicht, daß der aus der Not motivierte Erneuerer nicht genauso wilden und unvorhersehbaren Stürmen ausgesetzt wäre! Die Achterbahn der Gefühle, die Geisterbahn des Grübelns, das Fegefeuer des Zweifels verschonen auch den heldenhaftesten Helden nicht! Zur Beruhigung kann man sich der Weltliteratur bedienen und Dantes Inferno besuchen oder die Schicksale der Propheten studieren.

Zur Ermutigung

Das heulende Elend gehört dazu, es ist gut, die Hilflosigkeit und die Ohnmacht und die Enttäuschungen zu beweinen! Das ist für Frauen leichter zu verstehen als für Männer.

Dem Mann ist zu vermitteln: das Empfinden der Einsamkeit und die Überzeugung, alle Möglichkeiten ausgeschöpft zu haben, ganz besonders der Gedanke, sie ist eben so, da ist ganz einfach nichts anderes drin, sie ist so mit sich selbst beschäftigt, mit ihrem ständigen Chaos und ihrem Drama, da ist keine Kapazität frei für den anderen – das alles gehört dazu!

Eine heute beinahe extra-terrestrisch anmutende Dimension der weiblichen Bezogenheit auf das Männliche

Als Frau geht sie – instinktiv – davon aus, wenn er nicht entschieden genug von ihr verlangt, daß sie sich gefälligst auf ihn einlassen soll, sondern sich abwimmeln läßt, dann ist es ihm nicht so wichtig, dann kommt er damit schon zurecht. „Wenn es ihm ernsthaft gegen den Strich geht, wird er es sich ja nicht bieten lassen von mir!“, ist ihre automatische Annahme. Darum fühlen sich Frauen auch regelrecht hundsgemein und niederträchtig hintergangen, getäuscht und betrogen, wenn er eines schönen Tages erklärt, „Ich kann so nicht weiter. Tut mir leid!“ und jetzt zum ersten Mal unnachgiebig bei seinem Standpunkt bleibt, während er all die Jahre und noch bis gestern in schöner Regelmäßigkeit nachgegeben hatte, wenn sie es darauf anlegte.

Daß er nicht von vornherein weiß, daß sie instinktiv auf seine souveräne Selbstbehauptung vertraut; daß er eine solche Idee als nachgerade unmoralisch, nämlich als egoistisch, egozentrisch, narzißtisch und sowieso „patriarchalisch“ oder primitiv „macho-typisch“ von sich gewiesen hätte, je idealistischer, desto vehementer, je gebildeter, desto überzeugender, ist so üblich wie tragisch verblendet.

Diesen Irrtum später als solchen zu erkennen, erfordert eine gewisse selbstironische Nonchalance, vorsichtig formuliert. Davor genügt eine Portion bewährter Skepsis. Bevor man sich daran macht, die Hypothese der präideologischen Legitimität männlicher Autorität systematisch im Experiment zu überprüfen, und mit ungläubigem Staunen die weibliche Hingabe als so gut wie umstandslose und regelhafte Antwort darauf zur Kenntnis nehmen muß.

Eine Offenbarung, nicht weniger!

 

 

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Vorsicht, enthält didaktischen Humor!

 

 

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Kurz und bündig, aber nicht humorlos!

 

So gehen Sie es praktisch an:

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Sie haben sich durchgerungen und sind entschlossen auf der Suche nach Paartherapie / Paarcoaching / Eheberatung?

Gut!  – Bevor Sie anrufen, schauen Sie sich bitte auf dieser Seite die Videos „Was Sie bei mir erwartet“ an!

Dabei haben Sie die Wahl, wie Sie sich einen ersten Eindruck von mir und meiner Arbeitsweise verschaffen möchten:

Die Serie der ersten drei Videos ist mit einer hoffentlich unterhaltsamen Dosis ironischen Humors gewürzt, das vierte Video „Was Sie bei mir erwartet (kurz und bündig)“ darunter ist nüchtern, wenn auch nicht unbedingt humorlos oder staubtrocken.

Und lesen Sie sich bitte auf jeden Fall zumindest die Seite „Ihr Weg zur ersten Sitzung“ durch! Damit organisatorisch alles klar und voraussehbar ist.
 

Aber … der andere will/kann nicht mitkommen oder hält nichts davon?

Kein Problem! – Paartherapie / Paarcoaching / Eheberatung im Alleingang ist eine bewährte Methode. Kurz und vereinfacht gesagt: So wie einer allein die Beziehung verderben und sogar scheitern lassen kann, kann er sie auch zum Guten wenden. Lassen Sie sich hier motivieren: „Einspännig im Wilden Westen“!

Aber … Sie sind sich nicht sicher, ob überhaupt Paartherapie / Paarcoaching / Eheberatung das Richtige für Sie ist?

So geht es naturgemäß vielen! – Die Frage läßt sich seriöserweise nur in einem persönlichen Gespräch abklären. Als Tipp: Abwarten ist so gut wie nie eine gute Idee.

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– Damit Sie sich leichter daran erinnern, sich in guten wie in schlechten Zeiten in der schwierigen Kunst der Liebe zu üben.

 

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