Sind Sie sexy?

Ich frage nicht nach ihren Körpermaßen und nicht nach Ihrer Schönheit, auch nicht nach Ihrem Modebewußtsein.

Auch nicht danach, ob Sie bei einem der Blickübungen vor den diversen Spiegeln und Schaufenster auf Ihren Wegen von sich den vielleicht bezweifelbaren, vielleicht sogar unbezweifelbaren Eindruck gewonnen haben, daß sie eigentlich ziemlich attraktiv ausschauen.

Schon gar nicht interessiert mich, stellvertretend für Sie, als sich einfühlendes ideales Alter Ego oder als Ihr gesuchter psychologischer Ratgeber, ob Ihre Freundinnen Sie angeblich ziemlich scharf finden, so vom gesamten Style her. Jedenfalls nicht, was sie Ihnen gegenüber dazu sagen.

Lassen Sie die Welt merken, daß Männer Sie zum Lachen bringen können, jedenfalls, wenn sie es partout drauf anlegen? Und zum Weinen?

Weil Sie meinen, das sei normal und nichts, wofür man sich als Frau schämen müßte?

Dann sind Sie schon den halben Weg gegangen.

Lassen Sie die Welt außerdem merken, daß Ihnen bewußt ist, daß die meisten Männer viel kräftiger und ausdauernder gebaut sind als die meisten Frauen. Das heißt, daß Sie es normal finden, einen Mann um Hilfe zu bitten, wenn Ihnen etwas über Ihre Kräfte geht?

Und – ein bißchen gefühlsfreudiger – lassen Sie die Welt merken, was es für ein sinnlicher Genuß ist, wenn einem ein Mann das Grobe abnimmt, damit man sich nicht schmutzig machen muß? Jedenfalls die Männerwelt? Oder den bestimmten dessen würdigen Kandidaten?

Das ist das dritte Viertel des Weges.

Das letzte Viertel ist für den Nahkampf.

Für den Kampf, den man als Frau mit sich führt, wenn einem ein Mann oder das Männliche überhaupt nahegeht.

Der Nahkampf als Werberitual bildet das in seiner archaischen Existentialität ab. Sie rollt sich, aber faucht ihn weg, wenn er ihr zu nahe kommt.

Erst, wenn er durch unerschütterliche Hartnäckigkeit seine Willenskraft, das bedeutet seinen Willen zur Vaterschaft, unter Beweis gestellt hat, gibt sie nach. So lange hält sie sich zurück, damit sie es nicht später bereuen muß.

Bevor es in den Nahkampf geht, ist sexy leicht. Outfit, Styling und Beauty reichen. Im Close-up-Bereich schon nicht mehr. Daß man nicht verschmäht wird, belegt nur, daß man nicht völlig unverdaulich erscheint.

Aber sexy bis ans Ende?

Attraktiv ohne Ende? Sodaß es keinem Mann mit einem fad wird, auch nach vielen Jahren nicht? Auch dem eigenen nicht?

Das ist eine andere Liga!

Das ist ein Dimensionssprung, dafür ist die logische Kategorie zu wechseln, die psycho-logische und psychologische.

Schnurren Sie gelegentlich, ausgiebig und angelegentlich? Räkeln Sie sich mit Hingabe, bis Sie gut liegen? Kuscheln Sie sich gerne in einen Mann hinein. Mit dem gleichen Gefühl wie ein Kind? Weil das einfach so kuschelig ist?

Fauchen Sie manchmal, und manchmal nur zum Spaß?

Lassen Sie mit sich spielen. So wie es eine Katze tut? Wenn ihr danach ist?

Lassen Sie sich necken und reizen? Lassen Sie sich jagen und fangen?

Lassen Sie sich trösten und aufmuntern? Lassen Sie sich beruhigen? Und beunruhigen?

Lassen Sie sich anbeten? Und beten Sie an?

Lassen Sie sich befremden vom Fremden des Mannes? In dessen Unzugänglichkeit?

Das war der Test, wenn Sie so wollen. Die Selbstbetrachtung.

Sollten der Sexyness-Check nicht rosig ausfallen, und Sie den Ehrgeiz aufbringen, können Sie üben.

Vermitteln Sie jedem Mann in Ihrer Nähe, wie sehr Sie im Prinzip von ihm unterhalten werden wollten, wenn Sie gerade unterhalten werden wollten! Aber nicht übertreiben und nicht untertreiben! Das ist wichtig. Es muß genau die reale und zugleich theoretische Dosis sein, das wahre Maß dessen, wie gut Sie es sich vorstellen könnten, sich unter gewissen Umständen und Voraussetzungen von gerade diesem Mann zum Lachen bringen zu lassen.

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