Selbsthilfe für Frauen – höflich und freundlich

Eher als Regel denn als Ausnahme finden Sie sich als Frau in der Situation, daß Sie in Paartherapie gehen möchten, Ihr Mann oder Freund aber davon nichts hält.

Entweder er meint, Sie übertreiben die Probleme in der Beziehung, oder Sie beide könnten die Schwierigkeiten auch ohne Therapie bewältigen, oder er ist prinzipiell der Ansicht, Paartherapie ist Unsinn und bringt nichts.

In dem Fall eine gute Nachricht:

Sie können als Frau die Beziehung auch allein wieder ins Lot bringen!

Und zwar auch dann, wenn Sie schon an der Kippe zur Scheidung stehen und eine Paartherapie als die allerletzte Chance oder eher als verzweifelten Rettungsversuch sehen. Den Sie vielleicht nur unternehmen wollen, um sich nicht nachsagen lassen zu müssen, Sie hätten nicht alles Menschenmögliche getan, die Beziehung zu retten.

Auch dann, und das ist der Normalfall, wenn Sie davon überzeugt sind, daß er derjenige ist, der Entscheidendes falsch macht, und Ihr eigener Beitrag zu den Problemen minimal ist.

Es läßt sich sogar argumentieren, daß in den meisten Fällen die Ehen und Beziehungen, in denen nichts Positives mehr möglich scheint, mehr davon profitieren, wenn die Frau die Sache allein in die Hand nimmt.

Aber das tun Sie doch schon die längste Zeit, sie rackern sich ab, aber er spielt er nicht mit, und Sie kommen mit Ihren noch so heroischen Bemühungen auf keinen grünen Zweig, Sie beißen bei ihm auf Granit, Sie dringen ganz einfach nicht durch zu ihm, letztlich war alles verlorene Liebesmüh‘!

Das ist nicht gemeint mit, die Sache allein in die Hand nehmen.

In diesem Fall verlangen Sie seine Kooperation, daß er auf Sie hört, daß er versteht, worum es Ihnen geht und daß er sich zusammenreißt und sich ändert.

Die Sache allein in die Hand nehmen, meint wirklich allein! Ohne auf seine Kooperation zu drängen oder zu warten, ohne überhaupt auf sie angewiesen zu sein!

Wie, um Gottes Willen, das funktionieren soll? Wissen wir nicht alle, daß Beziehungen und Beziehungsprobleme auf der 50:50 Verantwortung beider Partner beruhen? Daß beide sich daher ändern müssen, damit es wieder besser wird zwischen ihnen?

Wobei Sie die Erste wären, die dieser Theorie in ihrem konkreten Fall zustimmt. 90 Prozent seine Schuld und 10 Prozent meine Schuld, das ungefähr ist die Einschätzung, die einem richtig erscheint.

Manchmal flüchtet man auch in die gleiche Schuld, die aber keine wirkliche ist, wenn man sagt, wir haben uns auseinandergelebt, der Alltag, der Streß, die Gewohnheit …

Das Gute ist, Sie können sich die weitere Analyse der Ursachen und der Schuldfrage ersparen, wenn es einen Weg gibt, das Frustrierende hinter sich zu lassen und die Erfahrung der Liebe zueinander und die tiefe Befriedigung darin wieder zu erleben.

So wie es einmal real war, genauso schön oder in mancher Hinsicht auch noch schöner.

Zu kitschig, um wahr zu sein?

Das denkt man in der Enttäuschung, in der Verbitterung, in der Resignation, vielleicht sogar schon im Zynismus, den man sich als Schutz zugelegt hat.

In der Hoffnung und Zuversicht, mit der man begonnen hat, würde man sagen, O.K., her damit mit dem Rezept, warum soll bei uns kein Wunder passieren!

Man muß nicht gleich so weit über seinen Schatten springen, es genügt auch, wenn Sie sich eine Chance geben – in aller Nüchternheit!

Allein schon deshalb, um die bisher geleisteten Investitionen an Kraft und Geduld und Opferbereitschaft nicht als Verlust abschreiben zu müssen.

Es mag auch der Gedanke helfen, daß die nächste ernsthafte Beziehung eine noch größere Wahrscheinlichkeit hat, auf vergleichbare Weise zu enden. Nur geht es schneller.

Die Scheidungsraten bei der zweiten Ehe sind um 10 Prozent höher als bei der ersten. Bei der dritten nocheinmal um 10 Prozent. Logischerweise noch höher sind entsprechend die Trennungsraten ohne Trauschein.

Und das, obwohl alle sich einbilden, sie hätten aus dem ersten Scheitern das Nötige gelernt, und ein zweites Mal würden sie die gleichen Fehler sicher nicht machen.

Schlimm eigentlich, aber so sind wir. Wir nehmen uns in die nächste Beziehung mit. Und offensichtlich in gnädiger Unwissenheit über unsere tatsächlichen Irrtümer.

Der zentrale Irrtum unserer Zeit, was die Ehe und die Liebesbeziehung zwischen Mann und Frau wie sämtliche sonstige Beziehungen der Geschlechter betrifft, ist ein genereller, ein ideologischer und die ganze westliche Kultur bestimmender.

Den auch die Experten für das Thema, die Psychologen und Psychotherapeuten, nicht aufklären, weil sie sich dem fundamentalistischen Ideal der Gleichheit der Geschlechter  genausowenig entziehen können wie alle anderen auch.

Auch nicht einmal wollen, weil es als ein Gebot der Gerechtigkeit und Anständigkeit und sogar als ein unsere Zeit kennzeichnender Fortschritt der Zivilisation ausgegeben wird. Die politische Entwicklung ist außerdem schon so weit gediehen, daß Widerspruch dazu als Sakrileg diffamiert und sozial sanktioniert wird.

Der Hausverstand oder der gesunde Menschenverstand hingegen, vornehmer formuliert, das genetisch und kulturell tradierte Erfahrungswissen der Menschheit, die seit Beginn unserer Spezies mit den Beziehungen zwischen den Geschlechtern zurechtkommen mußte, konnte sich politische Korrektheit nicht leisten und greift sich auf den Kopf, wenn jemand so tut, als wären Männer und Frauen nicht wesentlich verschieden und als käme es auf diese Unterschiede nicht an.

Die Politik kontrolliert aber noch nicht das Denken und auch noch nicht das private Verhalten, jedenfalls nicht so weit, daß es Ihnen nicht problemlos möglich wäre, Ihr Beziehungsleben im Alleingang auf eine Grundlage zu stellen, die funktioniert.

Und so exotisch ist diese Grundlage auch wieder nicht, daß man den Gedanken nicht zumindest gelegentlich noch wo hören oder lesen kann, daß es die Frauen sind, auf die es ankommt, was aus einer Beziehung wird.

Sie als Frau haben die Macht über die Stimmung zuhause, das ist Ihnen vielleicht bewußt.

Nicht die hundertprozentige, das nicht, aber wenn Sie wollen, können Sie dem Mann die Laune mit ein paar Bemerkungen und dem entsprechenden Gesicht dazu so gründlich verderben, daß er Stunden oder Tage braucht, bis er sich wieder davon erholt.

Schon erlebt? Schon eingesetzt? Es müßte mit dem Teufel zugehen, wenn nicht. Oder Sie sind ein Engel.

Umgekehrt können Sie ihn genauso schnell mit einem Lächeln und ein paar schmeichelnden Worten aus einer miesen Stimmung herausbringen und dazu, sich Ihnen erwartungsvoll zuzuwenden. Was Sie auch schon oft benutzt haben, wenn Sie was von ihm wollten und keine Lust hatten, das Risiko einzugehen, daß er es Ihnen abschlägt.

Alltagsleben. Spontanes, alltägliches Verhalten.

Nicht daß er ihnen die Stimmung nicht verderben kann. Aber da ist ein feiner Unterschied. Es gelingt ihm nur, wenn Sie sich drauf einlassen. Sonst zucken Sie die Schultern und denken, na ja, motzt er wieder einmal. Wird sich schon wieder einklinken, ich laß‘ mich jetzt nicht sekkieren.

Genauso verhält es sich in die andere Richtung. Er kann Sie zum Lachen bringen. Aber nur, wenn Ihnen danach ist, sich aufheitern zu lassen! Sonst nützt es ihm gar nichts. Wenn Sie ihn mit Beleidigtheit strafen wollen, kann er sich seinen Humor in die Haare schmieren, seine müden Witze. Und durch Charme lassen Sie sich auch nicht entwaffnen, das würde ihm so passen. Da kann er Ihretwegen Purzelbäume schlagen.

Was ist nun mit dem feinen Unterschied? Er ist nicht unbedingt so gering und nicht unbedingt so riesig, aber entscheidend. Wenn er nicht die seltene Ausnahme ist, können Sie ihn viel leichter und effektiver in seiner Stimmung beeinflussen als umgekehrt. Und sie tun sich auch viel leichter, über Stunden oder Tage beleidigt zu sein oder empört oder zutiefst verletzt oder was auch immer Ihnen angebracht und berechtigt erscheint.

Unabhängig davon benutzen Sie die Fähigkeit, sich quasi aus dem Stand in jedes beliebige Gefühl und in jede beliebige Stimmung zu bringen, auch für sich allein. Sie können stundenlang in schönen Phantasien schwelgen, aber genauso stundenlang in schlimmen.

Das Umschalten zwischen den Zuständen geht manchmal nicht so fix, es passiert einem auch, daß man sich so in was reinsteigert, daß man ohne Hilfe von außen, durch irgendwas oder irgendwen, nicht mehr herausfindet. Das ist dann weniger lustig.

Dann braucht man jemand, der einen tröstet und sozusagen bei der Hand nimmt und wieder auf schönere Gedanken bringt. Was Männer mit Hingabe tun, wenn sie den Eindruck haben, sie sind willkommen.

Sie haben es mit Sicherheit früher erlebt mit Ihrem Mann. Vielleicht probiert er es auch heute noch, wenn er merkt – oder glaubt -, es geht Ihnen schlecht. Vielleicht auch nicht mehr, weil er sich zu oft die Finger verbrannt hat dabei.

Jetzt kommen wir schon in die Nähe dessen, was die Grundlage ist dafür, daß Frauen ihre Ehe oder Partnerbeziehung auch einseitig ins Positive bringen können, ohne auf die bewußte Kooperation des Mannes angewiesen zu sein.

Das Stichwort ist: bewußte!

Um reine Magie handelt es sich nicht. Aber fast. Der Mann braucht nicht das Geringste davon wissen, daß die Frau das Projekt Beziehungsverbesserung oder sogar Beziehungsrettung in Angriff genommen hat. Trotzdem wird er kooperieren. Spontan.

Es ist sogar kontraindiziert, ihn einzuweihen. Was wie übelste Manipulation klingt. Und in gewissem Sinn ist der Begriff auch berechtigt, nur nicht in der Kombination mit dem Eigenschaftswort „übel“. Wenn, dann im Gegenteil. Eine edle Form von Manipulation, eine höchst ehrenhafte und lobenswerte.

Eine vollständig gezielte, bewußte, strategische und systematische Form der indirekten Beeinflussung. Mit dem Ziel, die ursprünglich erlebte positive, offene, engagierte und liebevolle Zuwendung des Mannes aus der Deckung zu locken.

Nichts anderes ist passiert. Er ist in Deckung gegangen und hat sich mehr oder weniger erfolgreich verschanzt. Eigentlich in der Hoffnung, das Unwetter verzieht sich wieder. Eigentlich in der Erwartung, die Attacken hören wieder auf.

Das ist der Leserin nicht zu ersparen, und von einer Frau könnte sie es sich leichter anhören. Vor allem, weil die sagen könnte, tu‘ dir nichts an, ich sprech‘ aus Erfahrung, ich hab‘ das Gleiche gemacht wie du. Es ist eine Sache von uns Frauen, wir neigen dazu, gewisse Fehler zu machen und kriegen nicht mit, was wir längerfristig damit anrichten.

Aber so viel Phantasie ist gar nicht vonnöten, stellen Sie sich einfach vor, das sind Zitate einer Paartherapeutin, die ich nur wiedergebe!

Frau Dr. Petra Christina Lobner, das klingt ganz passabel. Wenn Sie es vorziehen, Frau Dr.in Petra Christina Lobner, Psychotherapeutin. Christopha gibt’s für den zweiten Vornamen leider nicht, soviel ich weiß. – Irrtum, eben hab‘ ich’s gegoogelt, es existiert.

Gut, diesen Beitrag könnte ohne weiteres also eine Dr.in Petra Christopha Lobner, ihres Zeichens Klinische und Gesundheitspsychologin und Psychotherapeutin, geschrieben haben.

Na gut, von Frau zu Frau. Wir meinen es nicht so und wir meinen es nicht böse, aber trotzdem passiert es uns, daß wir unsere Männer auf eine Art behandeln, die sie längerfristig einfach nicht vertragen.

Selbstbeobachtung ist aller Tugend Anfang

Lassen Sie einmal die letzten paar Tage Revue passieren oder irgendeinen ganz normalen Tag und notieren Sie sich, wie oft Sie unfreundlich waren zu Ihrem Mann.

Was, unfreundlich? Ja, einfacher noch, unhöflich. Die ganze Bandbreite der Bemerkungen und des Tonfalls von ungeduldig, kurz angebunden, genervt, grob, spitz, scharf, spöttisch, sarkastisch, höhnisch, strafend, abweisend, geringschätzig, verächtlich, von oben herab, besserwisserisch, belehrend, ermahnend, klagend, anklagend, beleidigt, gekränkt, zornig, wütend, kebbelnd, keifend.

Und was Ihnen sonst noch einfällt an anderen als höflichen und freundlichen Qualitäten in Antworten und Ansagen.

Wie steht’s mit regelrechten Anweisungen, Zurechtweisungen, Befehlen, Korrekturen, Kritik, Beschuldigungen, Vorwürfen, Anklagen, Verurteilungen, Strafpredigten kürzerer, mittlerer und endloser Dauer?

Dann nehmen Sie dazu die unausgesprochenen Gedanken dieser Kategorien!

Die Bemerkungen, die Sie sich erspart haben, weil es ohnehin nichts bringt, die man Ihnen aber dafür unmißverständlich auf einen halben Kilometer am Gesicht ablesen konnte, das Sie zur Schau getragen haben.

Dazu die nonverbalen Botschaften, die noch viel beredter sind als viele Worte, das Augenverdrehen, das Seufzen, das Stöhnen, das Schnauben, das Knurren, das Vorsichhinkeifen. Gut, Letzeres gehört in eine Zwischenkategorie zwischen direkten Bemerkungen und wortlosen Mißfallensbekundungen.

Nicht zu vergessen die Art, wie man sich bewegt und wie man Handgriffe und Verrichtungen erledigt, vom offensichtlichen Türenkanallen bis zu der Extraheftigkeit, mit der man eine Schublade schließt, das Geschirr wo abstellt oder sonstwas wo hinknallt.

Wie man sich hinstellt und wie man den Kopf schiefneigt, wie man scharf Luft holt, wie man sich abrupt abwendet oder sich demonstrativ erschöpft in einen Sessel fallen läßt. Der Möglichkeiten sind unendliche, jede Bewegung, jedes Verhalten, jeder Blick spricht Bände, wenn man was unmißverständlich anbringen will damit.

Aber nicht jede Unfreundlichkeit ist eine aktive, es gibt auch die Methode des Ignorierens, des Überhörens, des Nichtreagierens, des so Tuns, als ob der andere Luft wäre, des Auflaufenlassens, des in die Leere laufen Lassens, des gezielten Mißverstehens, des unschuldigen Nichtverstehens, des Geistesabwesendseins, des Abgelenktgewesenseins, des jetzt keine Zeit Habens dafür, des mit Wichtigerem beschäftigt Seins und dergleichen mehr.

Dann gibt es auch noch umfassenderende und unfaßbarere Methoden der Unfreundlichkeit wie das aus dem Weg Gehen, das keine Zeit Haben, das zugepflastert Sein mit Terminen, das vor lauter Verpflichtungen nicht Wissen, wo einem der Kopf steht, das Müdesein, das Erschöpftsein und so weiter.

Eine eigene Kategorie ist das Unzufriedensein, niemand, im konkreten Fall ist der niemand er, kann es einem recht machen, „Alles muß man selber machen!“, wenn man’s nicht selber macht, wird’s nicht anständig erledigt, alles bleibt letztlich ja doch wieder an einem selber hängen, man ist (doch nicht) der Trottel für alle – das eignet sich, wenn Kinder da sind – „Ich bin doch nicht seine Putzfrau!“ und ähnliche scheinbar mehr als berechtigte Klagen.

Am besten gehen Sie jeweils nur eine einzige der angeführten Kategorien von Unfreundlichkeiten durch und überprüfen die Häufigkeit, mit der Sie sie begehen. Oder sagen wir, mit der sie Ihnen passiert.

Es geht schließlich um eine möglichst objektive Bestandsaufnahme des eigenen Verhaltens, nicht um einen Sündenkatalog und eine Beichte.

Manches Angeführte ist Ihnen vielleicht fremd, jedenfalls nicht Ihr Stil. Anderes fällt Ihnen gar nicht mehr auf, so gewohnheitsmäßig kommt es Ihnen über die Lippen oder geht es Ihnen von der Hand.

Aber befassen Sie sich nicht mit der Frage, ob es Ihnen zusteht und nur gerecht ist angesichts dessen, was er Sie anschauen läßt! Darum geht es bei dieser Bestandsaufnahme überhaupt nicht.

Weder jetzt noch später in der Frage, was Sie für Ihre Beziehung tun können.

Notieren Sie auch nicht in einer zweiten Spalte sein unfreundliches Verhalten, weder überhaupt noch als jeweiligen Auslöser für Ihres!

Das wird keine Analyse von Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit und keine Anleitung zu einem gerechten Ausgleich der Konten.

Das tun Sie für sich selbst, um Ihre eigenen Verhaltensweisen klar bewußt zu kriegen und Ihre eigenen Verhaltensmöglichkeiten strategisch auszuschöpfen. Für einen Zweck, der mit Auf- und Abrechnen nichts zu tun hat.

Es kann sein, daß aus der späteren Erinnerung die Kategorien der Unfreundlichkeit durchzugehen, nicht ausreichend präzise möglich ist.

Dann beschränken Sie sich jeweils auf den gegenwärtigen Tag. Setzen Sie sich zwischendurch hin und notieren Sie. Oder reservieren Sie sich eine Zeit am Abend. Wie’s halt am besten funktioniert.

Wenn Sie sich nach ein paar Beobachtungstagen sozusagen auf frischer Tat ertappen, umso praktischer. Das macht das Gesamtbild realistischer.

Es ist auch kein Problem, wenn Sie die eine oder andere unfreundliche Reaktion spontan unterdrücken, weil Sie Ihnen überflüssig vorkommt. Dann notieren Sie den Impuls dazu. Es geht in dieser Phase um Beobachtung nicht um eine Veränderung des Verhaltens.

Wenn Sie eine Woche damit verbracht haben, die unfreundlichen Verhaltensweisen des Tages zu notieren, sollten Sie sich ein halbwegs aussagekräftiges Gesamtbild Ihres Verhaltens bezüglich der Dimension Unfreundlichkeit und der verschiedenen Kategorien davon erarbeitet haben.

Aktion pur

Jetzt kommen wir von der Beobachtungsphase zur Aktionsphase.

Das Ziel ist so klar wie brutal.

Statt Unhöflichkeit und Unfreundlichkeit Höflichkeit und Freundlichkeit.

Nicht eine künstliche Höflichkeit wie unter Fremden oder in den Ehen unserer Urgroßeltern, aber trotzdem.

Und keine übertriebene, süßliche oder scheinheilige Freundlichkeit, sondern eine wie sie unter Paaren, die einander noch oder wieder gut leiden können, der normale Fall ist.

Wie bitte, soll ich mich vielleicht verstellen und ihm was vorspielen, was ich überhaupt nicht empfinde?

Die Antwort ist ja.

Und die Angelegenheit ist nicht mit der seelischen Selbstvergewaltigung gleichzusetzen, die aus der Frage oben spricht.

Es ist viel eher vergleichbar der Höflichkeit und Freundlichkeit, die man selbstverständlicherweise Fremden auf der Straße, im Supermarkt und im Wartezimmer gegenüber aufbringt.

Oder der, die man am Arbeitsplatz den Kollegen, Mitarbeitern, Vorgesetzten oder auch Kunden gegenüber einhält.

Das Entscheidende ist, daß wir nicht sagen würden, wir unterdrücken unsere wahren Gefühle und zwingen uns mit einer ungesunden Portion von Gewalt dazu, höflich und freundlich mit den anderen Leuten umzugehen.

Es erscheint uns auch mitnichten so, als ob wir den anderen etwas Unbilliges abfordern würden, wenn wir eine höfliche und freundliche Umgangsweise erwarten. Im Gegenteil, unbillig kommt es uns vor und wir protestieren, falls es jemand uns gegenüber daran mangeln läßt.

Oft genug geht es uns sogar so, daß wir einen Kollegen, einen Kunden oder auch jemand, der vor uns im Supermarkt angestellt ist, am liebsten lauthals beschimpfen würden, weil er sich so unmöglich aufführt oder uns sagenhaft auf den Wecker geht.

Trotzdem halten wir uns zurück und nehmen die Selbstverleugnung oder auch die Scheinheiligkeit, wenn man es so nennen möchte, in Kauf, ohne daß uns eine Perle aus der Krone fällt.

Worum es geht, ist daran zu denken, daß es nicht das disziplinierte höfliche und freundliche Verhalten das Problem ist, sondern die Idee, daß zuhause doch der Raum und die Freiheit herrschen soll, daß wir uns kein Blatt vor den Mund nehmen müssen.

Wo sonst sollen wir uns spontan und authentisch ausdrücken können, wenn nicht gerade unter Freunden und in der Familie? Allein schon als Ausgleich für die Zurückhaltung in der Öffentlichkeit und am Arbeitsplatz.

Irgendwo muß man sich schließlich entlasten. Und irgendwo muß man doch einfach Mensch sein dürfen.

Dem kann man nur beipflichten. Aber!

Es geht in der Aktionsphase nicht um eine Empfehlung oder Verschreibung für alle Zukunft sondern um die Anwendung einer Strategie des Verhaltens begrenzt für einen bestimmten Zeitraum.

Und wie lange?

So lange, bis sie überflüssig geworden ist. Jedenfalls in dem anfänglichen Ausmaß von konsequent eingehaltener strikter Selbstdisziplin, ohne Wenn und Aber.

Aber Vorsicht, keine falschen Schlüsse ziehen!

Genauer gesagt könnte man die Situation damit vergleichen, daß jemand das übliche höfliche und freundliche Verhalten in der Öffentlichkeit, am Arbeitsplatz, zu entfernten Bekannten und in ähnlichen Zusammenhängen gar nicht kennt und noch nie praktiziert hat. Er ist gewöhnt, ungeschminkt und unkontrolliert emotional zu reagieren, und erlebt dann, daß er damit rundherum ständig aneckt und ernste Schwierigkeiten kriegt.

Begreift er, daß es sich um eine Strategie handelt, die sich entwickelt hat, um Fremden gegenüber Konflikte zu vermeiden und Kooperation zu ermöglichen, oder erlebt er beim Ausprobieren, daß er auf diese Art viel besser mit den Leuten zurechtkommt, wird ihm Höflichkeit und Freundlichkeit ein akzeptables Mittel zum Zweck.

Es ist der Erfolg des Verhaltens (oder auch das Verstehen seiner Funktion), nach dem er sich richten wird, nicht eine Verschreibung oder eine Norm ohne einsehbaren Zweck.

Frauen finden sich oft in einer ähnlichen Situation. Es fällt ihnen überhaupt nicht auf, daß sie sich gewohnheitsmäßig unhöflich und unfreundlich ihrem Mann oder Freund gegenüber verhalten, wenn sie sich den Verzicht auf Höflichkeit und Freundlichkeit einmal erlaubt und angewöhnt haben.

Das tun sie zwar über die Zeit und Schritt für Schritt und immer im Gefühl, es steht ihnen zu, sie sind nur der Wald, aus dem dem es so zurückschallt, wie man hineinruft, aber das ändert nichts.

Denn kein Mann verträgt das. Wenn er sich nicht respektiert und geachtet erlebt und keine Möglichkeit hat, sich Respekt und Achtung zu verschaffen, zieht er sich zurück. Er räumt das Feld, er hat da nichts mehr verloren.

Aus der Erinnerung, daß seine Frau ihm früher den für ihn notwendigen Respekt und die menschliche Achtung gezollt hat und daraus im Wissen, sie könnte es, wenn sie nur wollte, hofft er zwar noch lange, aber er läuft nicht mehr ins offene Messer der Verachtung und Demütigung, der Abwertung und Zurückweisung, wenn es sich irgendwie vermeiden läßt.

Die Frau begreift nicht, daß sie mit jeder einzelnen routinierten Unfreundlichkeit und Gemeinheit ihn nur noch mehr in die Defensive treibt beziehungsweise ihn darin nur noch mehr bestärkt.

Im Gegenteil, sie macht sich vor, sie könnte ihn mit Beleidigungen, Anklagen und Vorwürfen immer wilderer Art „aus der Defensive locken“ und „zu einer Reaktion provozieren“.

Er wird sich hüten. Ließe er sich tatsächlich auf die Provokationen ein, müßte er ihr links und rechts eine Ordentliche runterhauen, sodaß sie es sich beim nächsten Zornanfall zweimal überlegt, bevor sie ihm mit den dreistesten Unverschämtheiten kommt.

Dafür ist er einerseits zu zivilisiert und andererseits kann er damit rechnen, daß sie die Polizei ruft. Also verzieht er sich lieber, bevor er sich hinreißen ließe. Oder geht auf innere Tauchstation.

Worte und Umgangston zählen für Männer. Ehre zählt. Nicht im anatolischen Klischee, aber im einfachen der Achtung der Würde.

Als Frau wissen Sie das nicht, wenn’s Ihnen niemand erklärt hat oder beobachtbar gemacht. Oder sogar sich darüber lustig gemacht hat, wie es seit ein paar Jahrzehnten Mode ist.

Das ist halt so, als Frau fehlt Ihnen das Y-Chromosom, um es in die fundamentale Analogie zu bringen. Dafür kann keiner was. Männer haben’s leichter, Frauen zu verstehen, sie haben das X-Chromosom intus, wenn auch nur eines, aber immerhin das. Und im Mutterleib waren sie zuerst weiblich gebaut, bevor das Y-Chromosom den Umbau zum männlichen Körper veranlaßte.

Aber das heißt nicht, daß eine Frau mit der nötigen Aufmerksamkeit das Andersartige des Männlichen nicht zutreffend als tatsächlich ganz anders, nämlich für sie wesensfremd erkennen kann. Und sich daher vernünftigerweise hütet, nonchalant von sich auf Männer zu schließen. Was man übrigens Müttern von Söhnen ganz besonders ins Stammbuch schreiben müßte.

Kurz und gut, es ist nur realistisch, wenn sie es für möglich halten, daß ein respektvolles Behandeltwerden für einen Mann instinktiv unvergleichlich entscheidender ist als für eine Frau. Und daher eine respektlose Umgangsweise mit dem Ihrigen nicht ohne negative Folgen bleiben kann, während eine respektvolle über kurz oder lang positive Auswirkungen zeigen wird.

Lassen Sie sich daher guten Mutes überraschen, was sich ergibt, wenn Sie Ihr Experiment mit der höflichen und freundlichen Art, ihn zu behandeln tatsächlich konsequent durchziehen!

Schwierigere Experimente können Sie später immer noch unternehmen.

Dafür schauen Sie sich gegebenenfalls diese Seite an:

   Selber schuld, gnädige Frau  
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