Man darf sich der Enttäuschung nicht ausliefern

Wie es für alle anderen emotionalen Reaktionen auch gilt, so ganz besonders für die Enttäuschung.

Man darf sich ihr nicht ausliefern, will man Verzweiflung bis hin zur chronischen Depression oder gar zum Selbstmord (oder Mord) vermeiden. Oder, was viel häufiger vorkommt, heroische Akte der vermeintlichen Befreiung und der einem zustehenden, triumphalen Rache zu setzen, wie es zum Beispiel die Trennung oder Scheidung vom Partner darstellt.

Den Enttäuschung als Gefühlsreaktion ist ein trotziges Aufbegehren gegen das Nichteintreffen von Hoffnungen oder das Eintreffen von Befürchtungen.

Das können allgemein übliche, selbstverständliche positive Erwartungen sein, wie zum Beispiel, dass eine Liebesbeziehung bestehen bleibt und fortdauert, das können allgemein übliche Erwartungen sein, dass negative Ereignisse einem erspart bleiben, wie zum Beispiel, vom Partner betrogen zu werden.

Das kann die heute allgemeine Erwartung sein, daß mein Kind gesund bleibt und sich positiv entwickelt. Das kann die heute allgemeine Erwartung sein, dass unwahrscheinliche Ereignisse, wie zum Beispiel ein tödlicher Unfall oder eine Krankheit, die zur Behinderung führt, meinem Kind erspart bleiben.

Es ist zwar unmöglich, die Enttäuschungsreaktion vollständig zu vermeiden, aber darum geht es nicht.

Es geht darum, sich dieser Reaktion nur so tief, so stark, soweit hinzugeben, wie es mit einer im Grunde lebensbejahenden und lebenszuversichtlichen Haltung vereinbar ist.

Und diese Fähigkeit ist uns allen gegeben.

Man kann sagen, die prolongierte und extrem starke Enttäuschungsreaktion ist der Ausdruck des flammenden und unbeirrbaren Protests gegen das Schicksal. Eine vehemente Behauptung der eigenen Würde und Ehre, ein Akt der radikalen Selbstbehauptung.

Diese radikale Selbstbehauptung kann uns in einen Rausch führen, aber sie kann das nur, sie muss es nicht.

Es ist die Anwendung der Vernunft, die in einer solchen Lage von uns erfordert ist.

In einfachen Begriffen:

Es ist weder gesund, die Enttäuschungsreaktion zu vermeiden, noch, sich ihr unbegrenzt zu ergeben.

Diese Fähigkeit zur Selbststeuerung tatsächlich zu benutzen, obwohl es unendliche Anstrengung und Mühe kostet, ist conditio sine qua non eines langfristig zufriedenen oder glücklichen Lebens.

Von kleinsten und kleinen bis zu großen und größten Enttäuschungen, es handelt sich immer eben darum.

Ich selbst bin es, der darüber entscheidet, in welchem Ausmaße ich die Macht über meine Gefühlslage und innere Gesamtverfassung der Enttäuschungsreaktion überlasse oder aufgrund meines eigenen Willens bei mir behalte.

In anderen Worten, es geht um die Wahrnehmung meiner Selbstverantwortung für mein inneres und damit auch für mein äußeres Tun im Leben.

Diese Selbstverantwortung existiert von vornherein kraft der Freiheit des Willens und mehr als das, kraft der von vornherein gegebenen Freiheit des Denkens.

Sie ist bestimmendes Kennzeichen des Menschen vor allen anderen Lebewesen.

Jedes Mal, wenn wir uns so benehmen, egal ob bloß innerlich oder auch äußerlich, als wäre uns diese Freiheit nicht gegeben, mißachten und verleugnen wir unsere menschliche Natur.

Es ist die intrinsische Möglichkeit dieser Freiheit, sie als solche als mehr oder weniger beschränkt zu beurteilen oder gar, sie vollständig zu negieren.

Die kurzfristige Befriedigung, sich als Opfer eines ungerechten Schicksals oder einer ungerechten Welt oder ungerechter Mitmenschen zu sehen, führt immer zu Unzufriedenheit und Unglück, beharrt man auf ihr über die längere und die lange Zeit.

Man muss also den Stolz im Rahmen der Bescheidenheit halten, welche die Vernunft als angebracht erkennt.

Der Vernunft ist klar, dass das Schicksal oder die Welt oder die Mitmenschen einem nichts von vornherein schulden.

Und selbst dann, wenn die Vernunft erkennt, dass Mitmenschen uns im Rahmen der Gerechtigkeit des quid pro quo durchaus dieses oder jenes schuldig sind, weiß sie zugleich, dass der Mensch nicht immer gerecht handelt und manchmal sogar systematisch und dauerhaft ungerecht.

So wie wir selbst von nichts und niemandem zu Gedanken und Wollen gezwungen werden können, so steht es auch mit allen anderen, auch dann, wenn sie uns – vielleicht sogar himmelschreiend –  ungerecht behandeln.

Die Fähigkeit, mit Enttäuschungen und Ungerechtigkeiten so umzugehen, dass sie unsere Lebenszufriedenheit und unsere Lebenszuversicht auf die Dauer nicht behindern oder einschränken, das gilt es Tag für Tag zu üben, durchaus im Wissen, nur Übung macht den Meister.​

 

Termin vereinbaren

Rufen Sie mich an – zur Vereinbarung eines (kostenlosen) telefonischen Vorgesprächs, in dem wir in einem ersten Schritt abklären, inwiefern Paartherapie für Sie zielführend wäre!

Telefon: 0660-7217630

Hier finden Sie die organisatorischen Rahmenbedingungen

und den Weg zu Ihrer ersten persönlichen Sitzung.

 

Termin vereinbaren

Rufen Sie mich an – zur Vereinbarung eines (kostenlosen) telefonischen Vorgesprächs, in dem wir in einem ersten Schritt abklären, inwiefern Paartherapie für Sie zielführend wäre!

Hier finden Sie die organisatorischen Rahmenbedingungen und den Weg zu Ihrer ersten persönlichen Sitzung.

 

Thumbnail_Was Sie 1-3 compr

Vorsicht, enthält didaktischen Humor!

 

 

Thumbnail_Was-Sie-kurz compr

Kurz und bündig, aber nicht humorlos!