Haben Sie sich heute schon entschuldigt?

 

Und wenn nicht, warum nicht?

 

Vorbildliche Entschuldigungen

 

Sie: Rede mit mir!

Er: Ich bin bei der CIA!

Sie: [Fällt ihm lachend um den Hals] Ha – ich dachte schon, es wäre eine andere Frau im Spiel!

(Film: Jack Ryan: Shadow Recruit; 2014.
Hauptdarsteller: Chris Pine, Kevin Costner, Keira Knightley u. a.
Regie: Kenneth Branagh)

 

Er: Und ich verspreche für den Rest meines Lebens, daß ich genau der sein werde, in den du dich verliebt hast!

(Film: Hit And Run; 2012.
Hauptdarsteller: Kristen Bell, Dax Shepard, Tom Arnold u. a.
Regie: Dax Shepard, David Palmer)

 

Entschuldigungsgelegenheiten

 

Wenn Sie nicht wissen, bei welchen Gelegenheiten es angebracht ist, sich zu entschuldigen, kann Ihnen geholfen werden, Monsieur!

Jedenfalls immer dann,

wenn etwas das Strahlen in ihrem Antlitz stört, wenn ein Schatten über ihre Züge huscht, wenn ihren Lippen ein Verzug droht, wenn die Augen dem Rollen zuneigen, wenn die Nüstern sich blähen, wenn die nächsten Worte in scharfen Dissonanzen erklängen, wenn das Rosige ihrer Wangen einer schaurigen Blässe weicht, wenn Hektik sie zu röten beginnt, und ganz allgemein, wenn die Pupillen sich verengen.

Zusätzlich dann,

wenn obigen Stimmungsindikatoren und Kommunikationspräparationen eine nicht ganz unbeträchtliche Auftretenswahrscheinlichkeit zukäme, legte man die eventuelle Hintergrundsituation eines Worst Case des Balanzierens am Rande des Nervenzusammenbruchs der Einschätzung hypothetisch zugrunde.

Unverzüglich,

im Falle des feuchten Schimmerns der Augäpfel, nicht erst bei manifestem Tränenfluß.

 

Eine kurze Psychologie der Entschuldigung

 

Aus weiblicher Sicht

Wenn er sich bei ihr entschuldigt, fühlt sie sich endlich gerechtfertigt darin, daß sie gerade eben schon wieder ihre schlechte Laune (wegen irgendeiner x-beliebigen Frustration irgendwo und irgendwann aufgrund von irgendwas) impulsiv und gedankenlos an ihm ausgelassen hat.

Dadurch kann sie ihm wieder ohne paranoide Präventive gegenübertreten, er wird sie nicht rügen, nachdem er die Schuld auf sich genommen hat.

Deshalb sind die die Frauen in den Fernsehserien und Hollywood- wie Bollywoodfilmen so süchtig nach Männern, die um eine zweite Chance betteln.

Andernfalls müßte sie sich als beziehungszerstörerisch und liebensunwert erachten und in der Konsequenz ihren Anspruch auf seine Dienste an eine andere abgeben.

Das tun sie naturgemäß nur über ihre Leiche, ergo erziehen sie kurzerhand den zufälligen Sündenbock zum unverbesserlichen Sünder, der die Wahl hat zwischen Reue oder Verstocktheit.

Dann weiß er, daß er ein mehr oder weniger unverschämtes Glück hat, daß sie ihn noch erträgt, obwohl sie ihn in Anbetracht seines Sündenregisters schon längst in die Wüste schicken könnte.

Und sie selber glaubt sich diese Version gerne.

Was wäre auch die Alternative?!

 

Aus männlicher Sicht

Wenn er sich nicht entschuldigt, obwohl sie ihn beschuldigt, quält sie ihn ohne Ende und verdirbt ihm den Tag oder die ganze Woche.

Wenn er sich nicht entschuldigt, wenn und weil er ihr nichts angetan hat, gilt Obiges trotzdem unverändert.

Erst wenn er sich entschuldigt und Besserung versprochen hat, genießt er wieder Bürgerstatus ihr gegenüber, davor behandelt sie ihn als Paria.

Wüßte er und hielte er es für tatsächlich möglich, daß sie ihn nur für ihre Enttäuschungen im Leben haftbar macht, solange er die Schuld auf sich nimmt, käme ihm eine Entschuldigung nur noch alle unheiligen Zeiten über die Lippen. Dann nämlich, wenn er tatsächlich ihr gegenüber undiszipliniert und daraus rücksichtslos oder lieblos war.

 

Die Verdummung der Minne

Obwohl über die Jahre die einstige Liebesbeziehung zu einem Verhältnis zwischen Gouvernante und Zögling verdorben wird, hören beide nicht auf mit dem perversen und morbiden, psychologischen Inzestspiel von Schuld und Sühne.

Der Grund dafür ist der Idealismus des Mannes, in dem er großgezogen wurde. Er will ein Kavalier und Gentleman sein, edel, hilfreich und gut.

Wenn und weil ihm keine wohlmeinende mütterliche Bekannte rechtzeitig vor der universellen, instinktiven und automatischen, egozentrischen Berechnung des Weiblichen gewarnt hat, glaubt er sich in der Realität, wenn er seine eigene idealistische Moralität den Mädchen und Frauen naiv und ungeprüft unterstellt.

Als Minnediener ist er subjektiv ein treuer Ritter der heiligen Herrin seines Herzens; objektiv ein Tänzer um die zuvor selbst vergoldete goldige Kuh.

 

Die Befreiung von der Minne

So schwer es zur Zeit von Walter von der Vogelweide für den herrenlosen Ritter war, auf den angesagten, edlen Kult der Minne zu verzichten, so schwer ist es heute für den modernen jungen Mann und Abenteurer ohne heiligen Herrn, in dessen Diensten er Ruhm und Ehre erlangen könnte, auf den angesagten, edlen Sühnekult am Altar der patriarchalisch strukturell benachteiligten Frau nicht abzufahren, zumal kein anständiger und gebildeter Mensch kein Feminist sein kann.

Es kommt einer kulturellen, ethischen und psycho-strukturellen Revolution gleich, die Souveränität des Männlichen aus dem künstlichen Tiefschlaf zu holen.

Die Sanktionen sind dementsprechend die Verfolgung wegen Häresie und die Inquisition, die auf Pranger und soziale Verbannung erkennt.

Nicht alle Ketzer und Dissidenten enden als Leichen oder Zwangsarbeiter.

Die Pilgerväter haben im Exil ein neues Reich gegründet, das bald über alle orthodoxen und fundamentalistischen Mutteränder triumphierte.

Lange davor haben die Christen als Missionare die Welt bekehrt.

 

Die Rolle der Frau bei der Befreiung zur Liebe

Der Mann projiziert und idealisiert das natürliche männliche Ethos auf das Weibliche. Er meidet die Desillusionierung wie der Teufel das Weihwasser, um nicht als herrenloser Ritter dazustehen.

Die Frau projiziert das natürliche weibliche Ethos auf das Männliche. Sie meidet die Desillusionierung, um sich ihre Abhängigkeit vom größeren Horizont des männlichen Ethos nicht eingestehen zu müssen.

Die Frau muß sich einen Mann zur spirituellen Orientierung suchen, der die Illusionen der Geschlechter erkennt und sie aus den weiblichen herausführen kann.

Unglücklicherweise heißt das, sie muß seiner Führung diszipliniert folgen, sonst kommt vom schmalen Weg zur engen Pforte ab.

Glücklicherweise wächst er über sich selbst hinaus, wenn sie sich ihm anvertraut.

 

 

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