Basiswissen PaarEinsPsy Stufe 1

Es gibt keine Kommunikationsprobleme

 

Kommunikationsprobleme gibt es weder bei Paaren noch zwischen Eltern und Kindern, noch sonstwo in sozialen Beziehungen, die für die Beteiligten existentiell relevant sind.

Na hallo, was soll das denn heißen?! Warum reden dann die Psychologen und Psychotherapeuten und Pädagogen und selbst die Wirtschaftsmanager und Politiker seit ewigen Zeiten davon? Warum gibt es dann 1001 Ratgeber für bessere Kommunikation in allen Lebenslagen?

Der Einwand selbst ist ein gutes Beispiel für ein fiktives Kommunikationsproblem.

Die Behauptung ist in sich eindeutig verständlich.

Die Begründung im Nebensatz, „… in sozialen Beziehungen, die für die Beteiligten existentiell relevant sind“, ist ebenfalls eindeutig verständlich, wenn man das normale Maß an Mitdenken in Anwendung bringt.

Die Implikation ist unzweideutig: „Es wäre für den Menschen zu gefährlich und/oder sonstwie zu nachteilig, in existentiell relevanten Beziehungen nur teilweise, im Glücksfall oder unter günstigen Bedingungen eindeutig verständlich kommunizieren zu können!“

Die Behauptung, „Ich kann nicht verstehen, was du meinst“, verschleiert und entschuldigt die Realität, „Das will ich nicht zur Kenntnis nehmen!“ oder in der bekannten Redewendung, die schon den Zweck der Übung unmißverständlich angibt, „Das will ich nicht gehört haben!“

Ganz analog dazu sind die alltäglichen Wendungen „Das versteht du nicht!“ oder „Du verstehst nicht, was ich meine!“ oder „Du versteht mich falsch!“ und „Du verstehst mich nicht!“, alles entweder Ausreden dafür, etwas nicht direkter erklären und klar vertreten zu brauchen; oder Anklagen moralischer Natur mit der Bedeutung, „Du gibst dir nicht die Mühe, die du dir geben solltest und müßtest!“.

Wenn der Mensch als Spezies Homo Sapiens etwas zur Perfektion bringen mußte, um allen anderen Hominiden überlegen zu werden, dann war es gerade dies: die differenzierte, komplexe und präzise soziale Verständigung durch Interaktion und Kommunikation.

Alle Phänomene der sogenannten mangelhaften und mißverständlichen Kommunikation sind gezielt intentional und final produziert. Vom situativen improvisiert taktischen bis zum lebenslangen programmatisch strategischen Kalkül.

Wann immer man seine fünf Sinne beisammen hat und alle Tassen im Schrank, teilt man sich genau so mit, daß genau das Verständnis provoziert wird, das man bevorzugt; aus welchen Motiven und für welche Zwecke auch immer.

Der selbstunsichere Schüchterne redet nicht laut genug und spricht nur in verklausulierten Andeutungen, damit er nicht einem möglichen Konflikt ohne Ausflucht ausgesetzt werden kann.

Der überhebliche Joviale verkündet, dröhnt und trompetet unmittelbar Eingängiges im Brustton der Überzeugung samt propagandistischer Wiederholung von Slogans, damit er seinen Willen ohne Reibungsverluste kriegt.

Die Schöne, die sicher gehen will, daß er um sie heftiger wirbt, seufzt fast unhörbar, aber so beredt, daß nur ein ganz schlimmer Feigling es nicht mitkriegt, daß er sich jetzt ranmachen soll; und zugleich kein Mensch ihr vorwerfen könnte, sie habe ihn ermutigt.

Jedes Wort und jede Geste ist je nach Wunscheffekt eindeutig oder zwei- oder vieldeutig – das ist die Raffinesse der menschlichen Kommunikationskunst; und sie beginnt schon beim Säugling, der auf sie angewiesen ist.

 

 

Weiterempfehlen, wenn's empfehlenswert erscheint!