Die langweilige Beziehung

Kabarett und Comedy sind die letzten Horte der praktizierten Meinungsfreiheit. Die Beziehungen zwischen Mann und Frau werden kaum sonst irgendwo ungeschminkt dargestellt. Hier ist die Dynamik der Klage über die langweilig gewordene Beziehung auf den Punkt getroffen.

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Die Luft ist raus – Ladykracher

Ein Lehrstück für Paare

Der Reihe nach.

Erstens: Wer von beiden stimmt die Klage an? Ganz wie im wirklichen Leben ist es sie.

Zweitens: Was meint sie, wenn sie sagt, die Luft ist raus, es ist Routine geworden? Hier, und das rührt aus der Darstellungsform des Sketches, bei dem die Würze in der Kürze liegt, läuft das Gespräch anders als im wirklichen Leben. Sie nimmt sie sich kein Blatt vor dem Mund, sondern macht schon im nächsten Satz klar, daß sie eigentlich meint, bei ihm ist die Luft raus, er ist langweilig geworden, nämlich unspontan.

Drittens: Was ist die kurz und prägnant gebotene Lösung des Problems? Nicht Paartherapie und nicht die Trennung in der Hoffnung, eine neuer Mann bedeutet Kurzweil. Sondern ein Mann, der nach einer Schrecksekunde kapiert und handelt, ohne zu zögern. Der Zuschauer erschrickt. Das ist volles Risiko, auf Teufel komm‘ raus. Jetzt wird sie aufheulen und ihm nicht nur Gleiches mit Gleichem vergelten, sondern noch dazu den Teller aufsetzen und den Tisch umwerfen und ihn anspucken, bevor sie abrauscht.

Viertens: Wie er reagiert, kennt man aus unzähligen Szenen, sowohl im Film als auch zuhause, nur umgekehrt. Sie schüttet ihm den Rotwein ins Gesicht, wenn er was sagt, was sie empört oder ihr sonstwie gegen den Strich geht. Der Mann nimmt sich hier die gleiche Freiheit und Frechheit heraus, wie es im wirklichen Leben nur die Frauen tun. Ein Lehrstück für Paare! Besonders eines für Männer.

Die sich beim gelegentlichen Blick in Frauenzeitschriften zynisch verhöhnt vorkommen müssen, wenn sie betuliche Diskussionen über das Phänomen der rätselhaften Attraktivität der sogenannten Bad Boys lesen.

Der Reiz des Bad Boy

Was ist der Reiz der stereotypen „Bad Boys“ für die Frauen? Jedenfalls auf der Kinoleinwand und sonstigen Projektionsflächen? Genau das, daß er sich nichts gefallen läßt von ihnen. Im Gegenteil er erwartet von ihr, daß sie sich nach ihm richtet. Und er tut, was er will, wann er will und wie er es will. Wenn’s ihr nicht paßt, ihr Problem. Entweder sie paßt sich an oder sie ist out. Er geht seiner Wege. Er braucht sie nicht. Die nächste wartet schon auf ihn. Aber auch das ist ihm egal. Er braucht keine. Er ist sich selbst genug.

Er kommt und geht, wie er Lust hat. Er kündigt sein Kommen nicht an, er geht, wann er geht und macht keine Versprechungen, wann er wieder auftaucht. Er bietet ihr keine Verläßlichkeit, er ist nicht berechenbar, er macht keine Kompromisse. Er lebt sein Leben, er ist sein eigener Herr, nur sich selbst verantwortlich.

Darin liegt eine archaische Erotik. Sie muß sich nach ihm richten.

Es erübrigt sich beinahe der Hinweis darauf, daß „50 Shades of Grey“ der größte Bestseller aller Zeiten war und ist, gleich nach der Bibel – oder vor dieser?

Eine Grundeigenschaft des Weiblichen ist angesprochen, die instinktive Fähigkeit zur Anpassung und ein Grundbedürfnis, die Lust an der Hingabe.

Zugleich die existenzielle Herausforderung des Weiblichen gegenüber dem Männlichen. Kann sie ihn verführen, kann sie ihn binden, kann sie ihn halten, hat sie das Zeug dazu? Ist sie Frau genug? Heute ist ihr all das nur in Romanen, in Filmen und in Träumen erlebbar. Der Fremde aus der nächtlichen Allee. Die wortlose herrische Geste. Die atemlose, rücksichtslose Leidenschaft im Hauseingang. Und der schöne junge Millionär, dem sie sich rückhaltlos ausliefert.

Aber nur, um ihn am Ende zu zähmen. Da schlägt der Zeitgeist seine Kapriole der Legitimation und da ist der Triumph des ekstatisch gleißenden Narzißmus als Draufgabekitzel.

Maske, Mantel und Degen

Fein – und was soll ein Mann tun, dem die Frau erklärt, so geht’s nicht weiter, weil die Beziehung zur Routine geworden ist, und sie hat sich das anders vorgestellt? Sich als Zorro verkleiden und in der Nacht durchs Fenster ins Schlafzimmer einsteigen und sie vergewaltigen? Im vierten Stock, wenn er keine Stuntman-Ausbildung hat und keinen Helfer, der ihn vom Dachboden aus sichert, wenn er sich abseilt?

So ähnlich! Strukturell analog. Das Kostüm muß nicht sein. Der Stunt auch nicht. Was heißt das, Rollenspiel-Sex? Fifty Shades of Grey nachspielen? Solche Empfehlungen gibt es in der Ratgeberliteratur aus der Sexualtherapie. Aber das geht mehr ins Thema „die Lust ist raus“. Die verflüchtigt sich zwar meist zugleich mit der entweichenden Luft, aber es geht in diesem Beitrag eher um die Atmosphäre als die Sexualsphäre.

Wenn jene abenteuerlich ist, hat es diese schwer, langweilig zu werden. Die Frage scheint sich darauf zuzuspitzen, was heißt „abenteuerlich“?

Vielmehr, was findet eine Ehefrau so, die seit Jahren denkt, ihr Mann ist zwar ein braver, auch ein einwandfreier Vater, aber leider total lahmarschig, fad, langweilig eben. Keine Ideen, kein Pep, keine Abwechslung, immer dasselbe. Und daß das Leben kurz ist, weshalb frau sich zwischendurch eine Affäre gönnen sollte. Eigentlich.

Was aber auch nicht unbedingt das ihre ist. Oder auch nichts gebracht hat. Sonst würde sie nicht von Paartherapie reden. Gehen wir davon aus, er hat sie gefragt, was sie sich vorstellt, was er tun soll. Damit sie’s nicht so fad findet mit ihm. Und es ist nichts Produktives dabei herausgekommen. Sie weiß auch nicht, vielleicht haben sie sich einfach auseinandergelebt, nebeneinander lebend. Die Routine eben, die man dann routinemäßig als Erklärung heranzieht.

Keine Herausforderung

Mit all den nachvollziehbaren Einschränkungen der individuellen Besonderheit jedes Menschen und jedes Paares und seiner Geschichte – das Leben mit ihm stellt keine Herausforderung dar für sie. Keine mehr, heißt das. Das ist der Unterschied zum Anfang.

Die Herausforderungen sind inzwischen bewältigt, es läuft alles zu ihrer Zufriedenheit, so im Großen und Ganzen. Das ist ja gerade ihr Problem, sie hat eigentlich keinen Grund zur Unzufriedenheit mit ihm. Und doch, irgendwie diffus aber deutlich das Gefühl, es fehlt etwas.

Wenn man’s ein bißchen umformuliert, wird es faßbar. Er bietet ihr keine Herausforderungen mehr. Und noch weiter umformuliert – er ist bewältigt.

Hui, das klingt hart! Aber keine Sentimentalitäten, das Paarleben ist kein Honigschlecken! Überhaupt heutzutage, wo einem alles Denkbare nicht nur denkbar sondern vorstellbar und vorgeführt und angeboten ist. Man braucht sich nur entsprechend einloggen. Der bewältigte Mann. Es fehlt ihm etwas Wesentliches. Das Unbewältigte eben, das vielleicht überhaupt nicht Bewältigbare. Werden wir härter im Tonfall.

Der bewältigte Mann

Der bewältigte Mann ist der in ihrer Gewalt. Nicht von Vornherein in einer negativ gemeinten oder angewandten. Mehr im Sinn von gezähmt, von handzahm, von abgerichtet. Es fällt uns ein, früher sagte man ganz offen von Frau zu Frau, „Einen Mann muß man sich zum Ehemann erziehen“.

Das ist gar nicht lange her, daß es noch koscher war als Buchtitel. „Wie man seinen Mann abrichtet, ohne daß er es überhaupt bemerkt“. Wobei es im amerikanischen Original „How to dogtrain your man …“ hieß, was drastischer den Eindruck vermittelt, der gemeint ist. Bei Tageslicht besehen, das geht heute noch.

„Der dressierte Mann“ im Sinn einer Klage und Anklage? Die Zeiten sind vorbei. Mein Gott, das war 1972! Und die Autorin Ester Vilar haben sie rausgemobbt aus der Bundesrepublik im feministischen Aufbruch.

Der halbehalbe Mann

Heute richtet sich der Mann von selbst ab. Er sich selbst, ist gemeint. Je perfekter, desto stolzer ist er. Ehrensache!

Er ist weder Macho, das wäre ihm hochnotpeinlich, noch „hängt er dem traditionellen Rollenbild des Ernährers und Hauptes der Familie nach“. Er ist der halbehalbe Mann. Jedenfalls steht er dazu, daß sie ihm Vorwürfe machen darf, wenn er den vierteldreiviertel Mann spielt.

Was beide nicht bewußt mitkriegen, es ist ein Pyrrhussieg, den er über sich selbst feiert. Als halbehalber Mann ist er direkt am Weg in die Halbmännlichkeit, und die nächste Phase heißt Exmännlichkeit. Oder sagt man Exmannhaftigkeit? „Exmann“ trifft es jedenfalls oft genug.

Ungewollterweise. Unvermuteterweise. Unvorhergesehen. Und auch nur im seltenen Fall später begriffen. Dann, wenn es zu spät ist. Dann aber seinerseits mit dem entsprechend fassungslosen Schock, daß die Tugenden der Einfühlsamkeit und Rücksicht, des Zuhörens und Verstehens, des sich Zurücknehmens um ihretwillen, die er in lauterer Absicht und nach bestem Wissen und Gewissen geübt hat, langfristig das Gegenteil dessen zur Folge hatten, was man sich gemeinhin vorstellt.

All die progressive Tugendhaftigkeit, die man nicht nur gepredigt kriegt, sondern von sich aus glaubt. Jedenfalls als Mann. In der Naivität und Verblendung des Zeitgeistes. Er müßte die Brille der Dissidenz aufsetzen, um diesen Blick in die Zukunft zu haben.

Sie auch. Allein, sie wäre hin- und hergerissen zwischen der Lust an der Rolle des Frauchens, um es böse zu formulieren, und an der des Weibchens, letztere anthropologisch gemeint. Weib sagt man seit Kurzem nicht mehr. Anthropologisch betrachtet, seit Allerallerkürzestem nicht mehr.

Der überlegene Mann

Noch unsere, wenn man in meinem Alter ist, Mütter sagten zueinander, ein Mann muß wissen, was er will. Ein Mann darf sich von einer Frau nicht abbringen lassen von dem, was er will. Ein Mann muß Autorität ausstrahlen. Ein Mann darf seiner Frau nicht alles durchgehen lassen. Ein Mann darf seiner Frau nicht das letzte Wort lassen. Solche Sachen!

Was nicht heißt, daß sie’s nicht trotzdem mit Leidenschaft betrieben haben, sich den Ihrigen zu erziehen. „Bei denen hat sie die Hosen an“, war als Spott über ihn gemeint. „Der Pantoffelheld“ war verachtet, aber nicht bloß von der Seite seiner Geschlechtsgenossen.

Mit leisem Erstaunen und geduldigem bis abgeklärtem Kopfnicken mußte erst kürzlich eine deutsche Professorin, eine Doyenne der Sexualwissenschaft genannt, im Interview vermerken, daß selbst die aufgeklärtesten postmodernen Mitmenschen in einer Befragung verschämt zugäben, der Mann müsse idealerweise der Frau doch ein kleines bißchen überlegen sein, um einen attraktiven Sexualpartner abzugeben; und die Frau ein ganz ganz kleines bißchen unterlegen, ähem, um das männliche Begehren so wirklich zu erregen.

Noch einmal: Was, zum Kuckuck soll ein Mann also tun, um nicht zuerst als bewältigt in die Tasche gesteckt und anschließend am Flohmarkt feilgeboten zu werden? Kann er überhaupt was tun?

Neuer Mann, was nun?

Ja und nein, wäre die Antwort.

Wenn sie auf dem Trip ist, definiert sie sich’s zurecht, wie sie’s will.

Erst sekkiert sie ihn damit, daß er zuwenig Rücksicht auf sie und ihre Bedürfnise nimmt. Von ihren Wünschen, Träumen und Sehnsüchten überhaupt gar nicht zu reden. Dann eröffnet sie ihm, er ist ein lahmarschiger Langeweiler, der sie als Frau schon die längste Zeit nicht mehr aus der Reserve lockt. Sie braucht das aber, sie möchte sich lebendig und erotisch und alles fühlen, nicht neben ihm dahinwelken. Sie liebt ihn zwar (in Österreich sagt man, sie hat ihn zwar gern), aber sie ist nicht mehr in ihn verliebt.

Wenn sie nicht so stringent und getunnelt drauflosagiert, oder auch wenn er rechtzeitig schnallt, wohin die Fahrt geht, kann er durchaus beherzigen, was hier beschrieben wird und sie wach und aufmerksam halten. Ansonsten ist es trotzdem das Beste für beide, was er tun kann.

Dabei geht’s um zwei Dinge. Erstens muß er darauf achten, daß er sich von ihr nicht als Sündenbock für ihre Frustrationen benutzen läßt. Zweitens darf er nicht in die Falle tappen, im Konfliktfall ihr zuliebe seine Absichten, seine Spontaneität, seine Präferenzen und Interessen zurückstecken.

Die Rolle des Sündenbocks zurückweisen

Das hat zwei Komponenten, erstens das spontane, automatische ihn Ankeifen und Angiften, wenn sie irgendwer oder irgendwas geärgert hat, sei es das Kind oder eine Kollegin oder die Verkäuferin im Geschäft; oder wenn ihr irgendetwas Angst macht, seien es die Nachrichten im Fernsehen oder der vereiste Steilhang beim Schifahren.

Zweitens allgemeinere Enttäuschungen, Ängste, Unsicherheiten, Selbstzweifel, die sie wie jeden von Zeit zu Zeit heimsuchen, die sie mit Vorliebe so dreht und präsentiert, daß am Schluß er als der Schuldige daran dasteht.

Was Frauen spontan tun, wenn sie sich nicht gezielt etwas anderes erarbeiten, ist, daß sie den Ärger zurückhalten im Lauf des Tages, ihn Dosis um Dosis speichern, bis sie dann nach Hause kommen, oder der Mann nach Hause kommt und dann – endlich – lassen sie das Aufgestaute an ihm aus. Je nachdem auch an den Kindern oder sonstwem, der gerade in der Nähe ist und sich entweder nicht wehren kann oder sich aus Rücksichtnahme oder Gutmütigkeit nicht wehrt.

Das darf sich der Mann nicht gefallen lassen. Nimmt er es hin, empfindet sie es nach kurzer Zeit als selbstverständlich und als ihr gutes Recht. So schnell schaut er gar nicht, und aus der Gewohnheit wird Gewohnheitsrecht. – Schließlich ist sie auch nur begrenzt belastbar!

Das Wichtige dabei ist, daß ein derart achtloser und achtungsloser Umgang mit ihm auch dann, wenn er selbst es mit Gelassenheit nimmt, für sie die Rückwirkung hat, daß er unweigerlich in ihrer Achtung sinkt.

Der Mißbrauch des Retterinstinkts

Auf der Ebene der instinktgegründeten Intuition ist ihr nämlich klar, daß sie sich so einen Umgang zwar einer Frau gegenüber leisten kann, die entsprechend eiskalt zurückschießt, wenn es ihr zu blöd wird; aber nicht einem Mann gegenüber, der sowohl ihre Aggressivität als auch ihr demonstratives Jammern, Leiden und Überfordertsein für bare Münze nimmt. Dessen Mitleid und dessen Retterinstinkt sie damit mißbraucht.

Und der Tor merkt es nicht einmal, sondern zappelt, läßt es sich bieten oder dann doch wieder nicht und dann hat er noch dazu ein schlechtes Gewissen, weil er sich lieblos vorkommt, ob sie es ihm nun noch explizit an den Kopf wirft oder nicht. Das ist doch kein Gegner! Jedenfalls nicht auf die Dauer.

Männliche Naivität und Verblendung

Als Mann in der zeittypischen Naivität und Verblendung meint man, sie müßte sich schämen, insofern ihr dieser Instinktmißbrauch bewußt ist.

Das tut sie auch für einen lichten Moment. Aber nicht länger. Tiefer ist die Wahrnehmung seiner Schwäche ihr gegenüber. Sie kann mit ihm Schlitten fahren. Und das ist das Letzte, was sie von einem Mann braucht. Obwohl sie es durchaus an der Oberfläche genießt, sich in der Selbstgerechtigkeit der moralischen Überlegenheit des Opfers suhlt und ihn mit Beleidigtheit straft.

Ebenfalls in der naiven Projektion des männlichen Ethos glaubt man, sie würde es ihm danken, daß er versucht ihr zu helfen, daß sie aus ihrer Unzufriedenheit herauskommt. Und daß er dabei eine Gemeinheit nach der anderen hinnimmt, weil er sich mehr um ihr Leiden sorgt als um seines. Mitnichten, eine Frau ist eine Frau und kein Mann.

Sie will – eigentlich – den Mann stark

Sie will den Mann stark. Und unabhängig von ihren Manövern und Manipulationen. Im Strudel ist sie sowieso schon selbst. Da braucht sie einen Halt. Nicht einen, der selber zu rotieren anfängt, wenn sie von ihren Wallungen zu Dingen getrieben wird, die sie im ausgeglichenen Zustand bereut und nicht so gemeint hat, wie sie im Zorn herausgekommen sind.

Sie fühlt sich im Stich gelassen, mit sich selbst allein gelassen, wenn er sich von ihr als Sündenbock behandeln läßt. Mehr noch, sie ist dann ganz real sich selbst ausgeliefert, unabhängig davon, ob sie es sich als Gefühl bewußt macht. Wie ein Kind, das allein aus dem Trotz nicht mehr herauskommt. Sie braucht jemand, der sie herausbringt. Der ihr vermittelt, es reicht. Der darauf besteht, daß sie sich wieder einklinkt.

Hören wir, was Bob Dylan darüber sagt:

She takes just like a woman, yes she does, she makes love just like a woman, yes she does. And she aches just like a woman but she breaks just like a little girl.

So lautet der Refrain des Lieds „Just like a woman“, entstanden im Jahr 1965.

Metakommunikation ist keine gute Idee

Oben hieß es, sie will ihn – eigentlich – stark.

„Uneigentlich“ erniedrigt und demütigt sie ihn nach Strich und Faden, wenn sie in (der entsprechenden) Fahrt ist. Das heißt, sie versucht ihn zu schwächen, unterzubuttern, anrennen zu lassen, ins Bockshorn zu jagen, als Deppen aussteigen zu lassen. Von seiner Seite bedeutet das, entwertet und beschämt zu werden.

Er darf auch nicht erwarten, daß sie irgendwann später, wenn sie sich ausgelassen hat und wieder im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte agiert, in einem vernünftigen offenen Gespräch das bestätigen wird, was hier als ihr eigentliches Bedürfnis vorgestellt wird.

Darauf kommt es auch gar nicht an.

Es geht darum, was er tut, ob er mitmacht und ihr erlaubt, sich an ihm auszulassen oder nicht.

Ein Gespräch darüber zu suchen, ist in sich schon ein Ausdruck von Schwäche. Er vermittelt ihr damit, ich brauch‘ deinen Sanktus für mein Verhalten. Ich vertraue meinem eigenen Urteil nicht und mache meine Reaktion von dir abhängig.

Metakommunikation verbessert keine Beziehungen. Jedenfalls keine zwischen Mann und Frau in der freien Wildbahn des wirklichen Lebens.

In der Psychotherapie und in der Paartherapie ist das was anderes, da gibt es einen Zuschauer, einen Zeugen und Gesprächsleiter und die Vereinbarung, sich das Ganze von außen und oben anzuschauen. Und darauf zu verzichten, Kapital aus dem Hin-und-her zu schlagen.

Die Ebene der Macht ist elementar

Das Spiel der Kräfte ist elementar. Es geht immer zuerst um die Macht.

Und das weibliche Prinzip dabei lautet, ich schau‘, wieweit ich damit komme. Was immer es ist. Sie probiert aus, was reingeht. In gewisser Weise ganz unschuldig und spielerisch. Im Vertrauen, der andere wird sich wehren, wenn ihm etwas zuviel ist oder gegen den Strich geht. Läßt er sich’s bieten, ist es in Ordnung.

Er würde sich’s ja nicht gefallen lassen, wenn es ihn ernsthaft stört. Und wenn, ist er selber schuld. Er hätte sich eben wehren müssen.

Frauen wissen das voneinander. Weil sie es von sich selber wissen. Entsprechend sind sie ganz unsentimental im Konflikt miteinander. Da gibt es keine Nachsicht und keine Entschuldigung. Da geht es hart auf hart, was es wiegt, das hat es.

Und immer muß das quid-pro-quo eingehalten werden. Ich laß‘ mir dies von dir gefallen, dafür mußt du dir jenes von mir gefallen lassen. Ich tu‘ dir diesen Gefallen, dafür schuldest du mir jenen.

Die tröstliche Verblendung des Mannes

Männer sind erschüttert, wenn ihnen die radikale Nüchternheit des Weiblichen bewußt wird.

Die meisten riskieren diese Erschütterung nie. Sie bleiben lieber in der beruhigenden Illusion des Bildes, das ihnen zuerst die Mutter vermittelt hat (in den letzten zwei Generationen mit tatkräftiger Unterstützung des Vaters, falls sie mit ihm aufgewachsen sind) und dann die Gesellschaft noch ausgebaut und als politisches Programm institutionalisiert hat.

Die gute Frau, die selbst wenn sie Böses tut, es nur gut gemeint hat. Die mitfühlende, edle, herzensgute. Deren Gutherzigkeit ausgenutzt wird. Von den Männern sowieso. Sogar von den Kindern. Weil sie sich aufopfert für die anderen und an sich selbst zuletzt denkt. Der es keiner gebührend dankt. Im Gegenteil.

Und dann die Wende in die Weltgeschichtsverschwörungstheorie. Was heißt da Theorie? Die Weltgeschichtsverschwörungswissenschaft vom diabolischen Patriarchat!

Das sich die Gutmütigkeit und Gutgläubigkeit der Frauen über Jahrtausende zunutze gemacht hat, auf ihre Kosten die Macht an sich zu reißen und eine Tyrannei über das weibliche Geschlecht zu etablieren, daß einem die Schamröte ins Gesicht steigen muß, wenn man dem Tätergeschlecht angehört.

Die Beschämbarkeit des Idealisten

Der Opfer-Appeal wirkt immer. Sogar stärker als der Sex-Appeal.

Mit der taktischen und strategischen Kombination beider Waffengattungen hebelt das Weibliche alles Männliche aus, das sich seiner selbst nicht gewiß ist. Und deckt damit schonungslos die Schwäche des Mannes auf, der sich die Tugend der Unkorrumpierbarkeit nicht erworben hat.

Das war zu allen Zeiten so. Es ist präzivilisatorisch, sogar präkulturell. Animalisch. Mit dem kleinen Problem, daß wir den Zugang zum Animalischen umso mehr verlieren, je idealistischer wir auf die Welt schauen.

In der Trance des ethischen und politischen Ideals schämen wir uns der instinktiven Reaktionen als primitive. Oder wir mißdeuten und verdächtigen sie überhaupt als menschenunwürdig. Als Männer.

Als Frau ist das anders. Da darf man stolz darauf sein, „aus dem Bauch heraus“ zu entscheiden. Es jedenfalls als legitim vertreten, ohne seine Würde aufs Spiel zu setzen. Man kann auch sagen, es wäre das Privileg einer Frau, jederzeit ihre Meinung ohne Rechtfertigung zu ändern. Und mit der großzügigen Nachsicht des Kavaliers im Manne rechnen.

Die Beschämbarkeit des Mannes rührt aus seinem Idealismus. Und sein Idealismus ist universell. Selbst unter Kriminellen gibt es einen Ehrenkodex, an dem nicht ungestraft zu rütteln ist. Nur der Begriff der Ehre ist heute – bei uns – aus der Mode. Nicht das Phänomen.

So wie der Mann die radikale Nüchternheit des Weiblichen nur mit Erschrecken erkennen kann, so ist der Frau der Idealismus des Männlichen unverständlich. Spätestens dann vollkommen unzugänglich, wenn es darum geht, sein Leben für eine Sache zu opfern.

Das hindert sie aber nicht daran, aus dem Bauch heraus und ganz automatisch die Beschämbarkeit des Mannes einzuberechnen und sich darauf zu verlassen, daß es ihr gelingt, ihm ein schlechtes Gewissen zu machen, wenn sie ihn der Lieblosigkeit, der Rücksichtslosigkeit und des Egoismus bezichtigt. Oder ihn in die Defensive zu bringen mit dem Vorwurf der Dummheit oder des Versagens.

Souveränität im Feuer von Beschämung

Für den Mann geht es daher um die Souveränität seines Urteils und seiner Selbstachtung unter den Attacken der Frau.

In unpersönlicher Weise kann er ihre Angriffe darauf als Testaufgaben verstehen. Jede Beleidigung und jede Beschämung fordert ihn heraus, seine Unabhängigkeit von ihrem Tadel zu beweisen. So wie es jede Schmeichelei und Bewunderung an sich hat, seine Unabhängigkeit von ihrem Lob zu prüfen.

In der Terminologie der Pick-Up Artists (PUA) spricht man vom „shit-test“, dem die Frauen die Männer unterziehen, wenn sie sie beleidigen oder beschämen oder von oben herab behandeln. Wenn er sich einschüchtern läßt, ist er durchgefallen. Wer gelassen bleibt und souverän reagiert, hat bestanden.

Kein Zurückstecken aus Liebe?

Leichter gesagt als getan! Der Einwand ist durchaus berechtigt. Bei allen Anregungen, die hier gegeben werden.

Andererseits ist zu beachten, was am Spiel steht. Eine Beziehung scheitern zu lassen, ist leichter als sie zu retten. Aber eine Trennung oder Scheidung ist trotz aller moderner Coolheit eine seelische Tragödie und nicht bloß ein Wechsel von einer Lebensphase in die nächste.

Es liest hier auch kaum jemand nur zur Unterhaltung, und einen Paartherapeuten sucht man sich nur, wenn man alleine auf keinen grünen Zweig gekommen ist, obwohl man sich alle nur vorstellbare Mühe gegeben hat.

Darüber hinaus gibt es Paartherapie und Paarcoaching gerade deswegen, weil man zu zweit allein betriebsblind wird, wenn das Leiden einem entsprechend zusetzt.

Das letztlich unauflösbare Dilemma für den Mann

Zur Erinnerung, das Ausgangsthema ist die Klage über die langweilig gewordene Beziehung, das Nebeneinanderherleben, erträglich aber nicht beflügelnd. Nicht unglücklich aber auch nicht zufrieden. Konkret die Klage der Frau darüber. Die eigentlich meint, der Mann sei langweilig geworden.

Die These des Artikels geht davon aus, daß der Mann sich den Erwartungen oder vermeintlichen Erwartungen der Frau so stark angepaßt hat, daß er ihr keine Herausforderung, keinen Reiz, keine erotische Spannung mehr darstellt.

Zum Haushaltsgerät entschärft

Man kann sagen, daß er nicht nur funktioniert, sondern reibungslos funktioniert. Als verläßliches Haushaltsgerät.

Ausgehend von seiner typischen operativen Akzeptanz der Sündenbockrolle für ihre Frustrationen aller Art haben wir beleuchtet, daß die Zurückweisung dieser Funktion und die Wahrung der Souveränität des Mannes die Frau davor bewahrt, ihn als bewältigte Herausforderung abzuhaken.

Ein zweites Grundmuster der Selbstentschärfung des Mannes als Beunruhigung für das Weibliche, damit als Attraktor ihrer Aufmerksamkeit, besteht im Verzicht des Mannes, seinen Willen gegen den der Frau zu behaupten, nicht aus Schwäche sondern aus Liebe, aus Rücksicht, um ihr Enttäuschung zu ersparen. Dabei fällt er auf beide rein, auf sie und auf sich.

Ihr geht’s genauso. Nur dauert es länger, bis sie den Reinfall als solchen erlebt. Der Mann, der ihre gekränkte Miene als Anlaß nimmt, links zu gehen statt rechts, wo die Auslagen sind, die ihn interessieren, kriegt schnell das routiniert beleidigte Gesicht vorgesetzt, wenn er nach ein paarmal Nachgeben dann zur Abwechslung doch seine Richtung behaupten will. Und das kann dann drei Tage zur Schau getragen werden.

Die Frau muß im Normalfall des zuvorkommenden edlen Ritters ein paar Jahre warten, bis er seine Unzufriedenheit äußert, falls überhaupt. Er wird sich eher unvermeidbar insgeheim grollend von ihr zurückziehen und es an Begeisterung für ihre gemeinsamen Unternehmungen mangeln lassen. Es wird ihr aber partout nicht einleuchten, daß sie sich den resignierten Mitgeher – so kann man es jetzt sagen – mit ihrer beleidigten und vorwurfsvollen Tour erzogen hat.

Halb zog sie ihn, halb ließ er sich ziehen, ist beim besten Willen nicht als realistische Beschreibung zu halten. Außer man vergegenwärtigt sich, daß es ein Würgehalsband mit Stacheln war, an dem sie die Leine befestigt hatte.

Minneritter und Brachialpower

Seit den 60er und 70er Jahren sind die jungen Männer mit Begeisterung – eigentlich so berauscht von den Minirockmädchen wie die Minneritter damals von den Burgfräulein, den keuschen, edlen und reinen – und mit heldenhaftem Ehrgeiz bemüht, es den unendlich süßen und heiligen Wesen recht zu machen. Und rennen scharenweise und schon die zweite bis dritte Generation ins offene Messer des brachialen Weiblichen, das inzwischen – befreit durch Pille und Abtreibung und Staatsfeminismus – noch viel brachialer operiert als je zuvor. Und sich beschwert, daß mit den Männern immer weniger anzufangen ist.

Eine Diskrepanz, die nur in der Kastration enden konnte und in der zynischen Attitüde des Rapperslangs. Der aber nur fiktive Selbstachtung  im Trockenen verleiht. Auf der Tanzfläche geht’s noch. Wirds ernst mit zweien, ist’s aus mit „Bitch!“ und Zuhältergestus. Da schiebt er den Kinderwagen mit oder ohne Tattoos und Glatze, ohne zu murren und zu mucksen, und und kann erleben, was „bitch“ ursprünglich heißt, wenn er zuhause über irgendwas maulen sollte oder ohne Entschuldigung zu spät zum Abendessen kommt.

Zeitkrankheiten

Dabei tun alle nur ganz brav und bieder, was man ihnen sagt. Rundherum. Von den Soaps bis zum Frauenministerium. Von „Zeit im Bild“ bis zu „Presse“ und „Standard“. Von Alaska bis Australien. Vom Kindergarten bis zur Universität.

Was soll aus jemand werden, dem man im Werbefernsehen allen Ernstes mit dem Slogan kommt „Das will ich auch!“? Oder, was ist aus jemand geworden, bei dem man damit ankommen kann?

Es ist eine bekannte Frauenkrankheit geworden, vom Mann zu erwarten, daß er ihr täglich versichert und beweist, daß er sie noch liebt. Männer reagieren dann manchmal mit dem Angebot, es ihr als eidesstattliche Erklärung schriftlich zu geben, gültig bis zum expliziten Widerruf.

Mann oder Sohn?

Nach dem Muster des Shit-Tests ist das weibliche Klagen, Jammern, Nörgeln, Kebbeln, Keifen ein verdeckter Versuch, ihn dazu zu veranlassen, daß er beweist, daß er manns genug ist, sich von ihr nicht aus der Fassung bringen zu lassen. Und insofern er eine angeschlagene Reaktion zeigt, macht sie weiter und weiter.

Wobei allerdings das überhaupt nicht Reagieren die Botschaft gibt, es wäre akzeptabel, daß sie ihn adressiert, als wäre er ihr Sohn oder Zögling. Er muß also reagieren in dem Sinn, daß er von ihr einen anderen Ton und eine andere Haltung verlangt, und zwar kompromißlos und konsequent.

Es sich bei einem Ohr hineingehen lassen und beim anderen wieder raus, macht ihn zum Sohn, der die Mutter schimpfen läßt und nicht ernst nimmt. Das Motiv, daß er als erwachsener Mann sie so gewähren läßt, liegt darin, daß er den Streit vermeiden möchte. Es ist ein defensives. Wenn er sich gegen die unwürdige Behandlung verwahrt, kommt er vom Regen in die Traufe, ist seine Erfahrung und Befürchtung.

Von allein hört sie nicht auf

Aber es hilft nichts. Von allein hört sie nicht auf, wenn sie sich’s einmal angewöhnt hat.

Und sie interpretiert tatsächlich – so verquer es klingen mag – sein Stillhalten als Schuldeingeständnis. Er weiß, daß er es nicht besser verdient! Würde er sich’s sonst bieten lassen?

Auf die Idee, daß er vielleicht den Kindern, den zu erwartenden heftigen Streit mitanzuhören, ersparen will, oder daß er ganz einfach keine Ahnung hat, wie er sie dazu bringen soll, einen höflichen und freundlichen Umgangston an den Tag zu legen, wenn er immer wieder mit Worten gescheitert ist und keine Machtmittel zur Verfügung hat, die er benutzen könnte, um sich durchzusetzen, kommt sie nicht.

Waffengleichheit war vorgestern

Und womit sollte er gegebenfalls drohen? Mit Scheidung? Da sitzt sie am längeren Ast, die Kinder und die Wohnung kriegt sie, und wenn ihr danach ist, boykottiert sie sogar das Besuchsrecht. Einen Tobsuchtsanfall kriegen und irgendwas von ihren Sachen auf den Boden knallen und darauf herumtreten? Auf sie einbrüllen und einschlagen?

Und das führt zurück zum Sketch am Anfang. Er kann ihr nicht einmal den Rotwein ins Gesicht schütten, ohne von ihrer Seite genau so einen Ausbruch von eskalierendem blinden Zorn zu provozieren. Was ihr von allen Seiten nachgesehen wird, ja sogar Applaus erntet. Was er seinerseits sich aber unter überhaupt keinen Umständen erlauben kann, wenn er nicht von der Polizei aus der Wohnung weggewiesen werden will. Und sich als entsorgter Ex-Mann und Ex-Vater wiederfinden.

Der Weg von der Naivität in die Resignation und den Zynismus scheint vorgezeichnet für den Mann, der im ideologisch und politisch inszenierten Dilemma der Gegenwart unabhängig von seinem persönlichen Bemühen an die Wände eines strukturellen Gefängnisses stößt, das ihn der Willkür der Frau ausliefert.

Beide sitzen in der Falle des Zeitgeists

Umgekehrt entgeht die zeitgenössische Frau der dringlichen Versuchung zum strukturell angebotenen Machtmißbrauch nur im Glücksfall so weit, daß sie nicht spontan die Rolle der Chefin mit Angestelltem spielt, die ihr nicht nur als ihr gutes Recht sondern als ihre Pflicht als moderne, selbstbewußte, emanzipierte Frau zugemutet wird.

Wenn sie sich’s in den Kopf setzt, kann sie tun, was sie will. Sie stößt an keine Grenzen, die sie akzeptieren müßte. Sie hat keine Nachteile zu befürchten, die jenseits des Erträglichen lägen.

Im schlimmsten Fall läßt sie sich scheiden und genießt den Status der tapferen bis heldenhaften Alleinerzieherin, bedauert bis beglückwünscht, und unterstützt und befürsorgt von so vielen Instanzen und Seiten, wie es ihr nach ihrem Geschmack zu Gesicht steht.

Die Enttäuschung über die gescheiterte Beziehung, die so- und sovielte, ist herb – aber überwindbar und umdefinierbar in Befreiung. Und später einmal bleibt als Trost immer noch die Idee, daß sie allein sowieso besser dran ist, daß Männer im Grunde für Frauen viel öfter eine Belastung als eine Bereicherung für ihr Leben darstellen.

Und gegen die so verbreitete Alterdepression gibt’s schließlich Medikamente, nicht!

 

 

 

 

 

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