Die Brücke zur gerechten Ordnung

Was ist eine gerechte Ordnung?

Gerecht ist die Ordnung, in der alle Beteiligten sich gerecht behandelt vorkommen; und zugleich sich als gerecht handelnd verstehen.

Gerecht bleibt eine Ordnung, wenn alle Beteiligten ihre Pflichten beachten und deren Beachtung einander zumuten.

Es kommt nicht darauf an, ob einer sich in irreale Ungerechtigkeitsdeutungen verstiegen hat und darauf vielleicht fixiert, egal wie strategisch, taktisch und egozentrisch es auch intendiert war und ist.

Auch die verquere rationalisierende Rechtfertigung ist eine Logik, die einem Zweck dient, den man zu verwirklichen probiert; je unsinniger die Rechtfertigung, desto mehr legt man es in die Hände aller Beteiligten, sich um ein Urteil zu bemühen. Der Zweck, den man verfolgt, ist so unkoscher, daß man nicht allein die Verantwortung tragen will.

Geht die Pseudologik rein, OK, ich bin nicht allein schuld an den unkoscheren Folgen! Wenn nicht, hat man sich das schlechte Gewissen erspart.

Man braucht nicht vorher wissen, ob einer Recht hat oder Unrecht, ob man zu Recht oder zu Unrecht Beschwerde führt oder berechtigt oder unberechtigt beschuldigt wird.

Es braucht einen selbst das überzeugend selbstevidente Rechte und Unrechte auf einer der Seiten in einem der strittigen Belange – das Unrechte, das zum Himmel schreit oder das Rechte, das wie ein Fels der Brandung standhält und wie ein Leuchtturm in dunkler Nacht ans sichere Ufer weist – keineswegs erreifern.

Eine narrensichere Methode

Das direkte und offene Angehen der Gerechtigkeitsverhandlungen entzündet das Feuer der Leidenschaft.

Man darf alles mit der Erwartung sehen, daß sich das edle vom unedlen Metalle scheiden wird, wenn der Prozeß der Läuterung vorankommt, den man begonnen hat.

Es ist eine narrensichere Methode für alle, die noch immer oder schon wieder das Gute tun, das Wahre sagen und das Schöne bewundern möchten. Und es jederzeit in Angriff nähmen, fänden sie nur einen Weg heraus aus dem Unguten, dem Unwahren und dem Unschönen.

Oder fänden sie nur die Kraft, den Weg heraus, der sowieso klar vor einem liegt, auch wirklich Schritt für Schritt bis zum Ziel zu gehen, statt immer wieder auf Abwege zu geraten oder umzukehren in der Idee, sie schaffen es sowieso nicht.

Wollen Sie ein guter Mensch sein?

Ein guter Mensch zu sein, wenn’s menschenmöglich ist? Eigentlich schon, sicher, was für eine Frage!

Wir gehen den schmalen Weg zur engen Pforte aus der jeweiligen moralischen Misere, wenn genug am Spiel steht. Wenn genug Gewinn winkt oder genug Verlust droht.

Auf den möglichen Gewinn zu verzichten, bietet sich großzügig an, um sich die Knochenarbeit zu ersparen.

Den möglichen Verlust zu riskieren, dafür braucht man schon stärkere Nerven. Wer hat die schon?

Riskierte man gar Kopf und Kragen, geht man auf Nummer sicher.

Weil wir so rechnen und nicht anders, wissen wir, wie wir uns zu was Schwierigem bringen können und haben es schon zigtausendmal getan, im Kleinen und im Größeren: wir besinnen uns darauf, was am Spiel steht, sei es kurzfristig oder langfristig.

Besinnen Sie sich drauf, was am Spiel steht!

Dann reinigen Sie Ihr Gemüt von allen unedlen Strebungen, werden wach und aufmerksam und kehren die Mördergrube Ihres Herzens so schnell und gründlich aus, wie’s nur geht. Aus Ehrgeiz für das, was am meisten zählt, vor und nach und trotz allem anderen.

Keiner tut das Böse, wenn er das Gute tun will. Wenn er sich dabei ertappt, bedeutet das, er hat nicht aufgepaßt. Wenn er in Hinkunft öfter aufpaßt, tut er seltener das Böse, das er eigentlich überhaupt nicht tun will. So arbeitet man sich weiter, bis man mit seinem Niveau an Gutes Tun und Böses Lassen einverstanden ist.

Die Besinnung darauf, was einem fürs Lebensganze und für das ganze Ich- und Selbstsein auf der Welt das Heiligste ist. Vielleicht früher einmal war. Bevor man sich enttäuscht zurückgezogen hat von den edlen Wunschträumen.

Daraus weht ein kühler sanfter Wind oder fegt ein wilder Sturm, kracht ein Unwetter los mit Blitz und Donner und Platzregen.

Die überflüssigen Spannungen lösen sich, Vernunft und guter Wille sind nicht mehr blockiert.

Die Zwiebel ist zu schälen

Moralische Vorwürfe, Anklagen und Beschwerden sind vielschichtig und vielhäutig, einer Zwiebel vergkleichbar. Ist sie ganz geschält, bleibt nichts  mehr übrig.

Aber beim Schälen treibt es einem das Wasser in die Augen? Genau! Erst fließen die Tränen, dann putzt man sich die Nase, dann tröstet man sich. Das ist die Reihenfolge. Im Reigen mit den Jahreszeiten und den Gezeiten und allen unzähligen Kreisläufen und Rhythmen.

Es gibt kein Einfürallemal

Die Pole streben nach ausgleichendem Wandel von Anziehung und Abstoßung. Deswegen kommt alles immer wieder in Unordnung und in die nächste Ordnung. Immer wieder und wieder.

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