Der Anständige steht an

 

Je anständiger er ist,
desto anständiger ist er zu ihr.
 
Na, das wollen wir hoffen!
 
Je anständiger er zu ihr ist,
desto eher steht er bei ihr an.
 
Je unanständiger,
desto eher kommt er bei ihr durch.
 
Oje, oje! Das ist nicht lustig!
 
Je anständiger er zu ihr ist,
desto unanständiger ist sie zu ihm.
 
Jetzt wird es entrisch!
 
Je unanständiger er zu ihr ist,
desto anständiger ist sie zu ihm.
 
Inzwischen ist die Grenze des guten Geschmacks überschritten!
 
Machen Sie die Probe aufs Exempel, seien Sie vier Wochen konsequent nur halb so anständig wie üblich!
Im Anschluß an das Erlebnis Ihrer Wunder probieren Sie den nächsten Zyklus mit noch einmal nur dem halben Anstand, also mit einem Viertel des ursprünglichen!
Überwältigt von der Bläue der dann heraufbeschworenen psychotechnischen Transformationsmirakel Ihrer Ehewirtin zu einer auch Anständigen verträglichen, wissen Sie im Hinterstübchen schon, wo es langgeht.
 
Die Qual, mein Gott, diese elende Qual!
 
Der Un/Anständige quält sich brutal, versucht er allen Ernstes, sein Gegenteil darzustellen.
Da kann man nichts machen.
Außer sich erinnern, daß man sich an kein einziges Kind erinnern kann, das sich je über die Quälerei beklagt hat, die es auf sich genommen hat, um vom Strampeln bis zum Gehen, Laufen und Springen zu gelangen.
 
Nehmen wir die direkte Route der Erklärung des gewiß erstaunlichen Phänomens der doppelt so anständigen Frau des halb so anständigen Mannes, erfordert das eine gewisse Todesverachtung eines Anständigen Selbstbildes.
 
Das geht gottseidank, wenn man ein Mann ist.
 
Der Anständige steht zurück,
sie sieht einen Schwächling.
 
Sieht sie einen Schwachen,
spielt sie die Starke.
 
Die starke Frau läßt sich von niemandem etwas sagen,
schon gar nicht von einem Mann,
und wenn, dann sicher nicht vom Ihrigen.
 
Der anständige Ihrige würde niemandem etwas dreinreden,
schon gar nicht einer Frau,
und wenn, dann sicher nicht der Seinigen.
 
Die ultimative Harmonie ist prädisponiert:
 
Sie hat Mitleid mit dem Schwächling,
und härtet ihn ab.
 
Er fürchtet die Härte,
und verweichlicht.
 
Je besser sie es mit ihm meint,
desto schlechter fühlt er sich.
 
Je schlechter er sich fühlt,
desto verstockter wird er.
 
Es ist nur eine Frage der Zeit,
bis sie eine Heilige zu nennen ist,
daß sie ihn noch immer erträgt.
 
Und noch eine kleine Weile,
und er hat sich’s selber zuzuschreiben,
daß es ihr endgültig reicht,
weil sie schließlich keine Heilige ist,
sondern eine ganz normale Frau sein will.
 
Je schmerzhafter sie ihn anrennen läßt,
desto anständiger hält er sich zurück.
 
Je anständiger er sich zurückhält,
desto schmerzhafter läßt sie ihn anrennen.
 
(Sind also Frauen Sadisten?
Nein, Männer Masochisten!
 
Was ist dann der Fall?
Als Komplementaristinnen quälen sie den Masochisten;
und lassen sich gelegentlich vom gelegentlichen Sadisten quälen.)
 
Erst muß man den Verstand benutzen,
dann ist der Anstand kein Fluch im Hemd des Segens,
sondern höchstens ein Segen im Outfit des Fluchs.
 
Der verständige Anstand ist vernünftig,
er wirft nicht Perlen vor die Säue,
und er kredenzt den Heiligen keinen gepanschten Wein.
 
Kommt er an der Leine des Y-Chromosoms daher,
unterstellt er ihr keine männliche Tugend der Selbstaufopferung;
 
kommt er an der Leine des X-Chromosoms,
unterstellt er ihr, sie wäre wie er, nur zum edlen Quadrat.
 
Das heißt dann, „Frauen sind die besseren …!“
 
Er gehört eben nicht an die X-Leine,
das muß er einsehen,
oder weiter erschreckt sein!

 

 
 
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